WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Rekordzahlen müssen wirklich nicht sein - von Hans-Jörg Bruckberger

Staatshilfen sollten Kater lindern, nicht neue Feierlaune entfachen

Wien (OTS) - Wirtschaft ist immer spannend, derzeit kommt man als Beobachter aus dem Staunen aber gar nicht mehr heraus. Etwa darüber, wie schnell sich die Welt anscheinend von der größten Krise seit den 1930er- Jahren erholt hat. Nehmen wir nur die Bereiche Finanz und Automobil, zwei absolute Schlüsselbranchen: Vor einem Jahr herrschte in beiden noch Weltuntergangsstimmung, um viele Player rankten sich gar Pleitegerüchte. Heute, nur wenige Monate später, sprudeln bei Banken schon wieder Milliardengewinne, und manch Autobauer hat 2009 so viel verkauft wie noch nie.

Der Dank gilt natürlich Vater Staat, der notleidende Unternehmen gestützt und Megasummen in Konjunkturprogramme gepumpt hat. Das war ebenso notwendig wie richtig und ist ja auch seine Aufgabe. Es ruft aber natürlich auch Kritiker auf den Plan, wobei man leicht in die Populismus-Falle tappt: Wieso muss der Steuerzahler für die Gier der Banker blechen? Oder, etwa in den USA, für die Fehler der Automanager?

Auch die Verschrottungsprämie kann man in der Luft zerreißen: Wie kommt der österreichische Steuerzahler dazu, ausgerechnet Autobauern zu helfen, wo es doch keinen einzigen heimischen Player gibt?
Wir wollen der Versuchung widerstehen und hier auch die Argumente der Gegenseite anführen: Etwa, dass allein im Autohandel zigtausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Oder dass in der global vernetzten Welt unsere Industrie zumindest indirekt profitiert, wenn es international wieder besser läuft. Last but not least wäre da noch der Umstand, dass der ganze Spaß den Staat ja eigentlich nichts kostet, weil er Steuereinnahmen (NoVA und MWSt) gegenrechnen kann. Und doch schreit einiges zum Himmel: Während die Arbeitslosigkeit steigt, scheffeln Banken wieder Milliarden, und für den österreichischen Automarkt war - der Ökoprämie sei Dank -ausgerechnet das Krisenjahr 2009 das zweitbeste aller Zeiten. Dadurch werden manche Probleme kurzfristig überdeckt, wohl aber doch nur vertagt. Etwa eine schon lange notwendige Marktbereinigung.

Offen bleibt auch die Frage, was passiert, wenn die Konjunktur nicht richtig anspringt. Dann könnten die Schrottprämien mit ihren Vorzieheffekten noch zum Bumerang werden.

Das Bankensystem vor dem totalen Kollaps zu bewahren und Konsumenten in der schwärzesten Rezessions-Stunde bei Kauflaune zu halten, ist eine Sache - mit diversen Stimuli aber gleich einen neuen Boom auszulösen, eine andere. War nicht doch Maßlosigkeit der Auslöser der Krise? Ordnungspolitisch scheint der Staat zu versagen.

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