WKÖ zur Spitalsreform: 20% Kostendämpfung bei gleicher Qualität möglich!

Kostenfalle Spitalsbetten: Aufwendungen stiegen um 6,7 Prozent auf fast 10,4 Mrd. Euro - PPP-Modelle im Spitalsbereich bringen 20 Prozent Kostenvorteile

Wien (OTS/PWK113) - "Die österreichischen Ausgaben für die Spitalsversorgung liegen im europäischen Vergleich im Spitzenfeld. 41 Prozent der Gesundheitsausgaben werden in Österreich für die Spitäler aufgewendet, in der EU liegt dieser Wert im Schnitt bei 37 Prozent", sagt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Der Sozialpolitikexperte weist auf den demographischen Wandel hin, der zusammen mit den bestehenden Finanzierungsproblemen das Gesundheitssystem zunehmend unter Druck setzt: "Zwischen 2003 - 2008 ist der Anteil der über 65-Jährigen besonders stark - um rund 12 Prozent - angestiegen. Das ist jene Altersgruppe, die überdurchschnittlich häufig Spitäler frequentiert. Bleibt es bei diesem Trend, müssen wir uns um die Finanzierung der Spitalslandschaft gravierende Sorgen machen, weil zusätzlich auch wegen der Gesamtwirtschaftslage die Einnahmeseite einbricht".

Als weitere "Kostenfallen" bezeichnet Gleitsmann die Bettenanzahl in den Spitälern: "Der Abbau von Überkapazitäten bei den Spitalsbetten schreitet nur zögerlich voran, die Aufnahmeraten bleiben stabil auf hohem Niveau." Die Kosten in Österreichs landesgesundheitsfondsfinanzierten Spitälern betrugen nach einem Anstieg von 6,7 % im Jahr 2008 fast 10,4 Mrd. Euro. Rund 78 Prozent der gesamten Spitalsendkosten sind ausschließlich dem stationären Bereich zuzuordnen, sie sind im letzten Jahr um etwa 570 Mio. Euro (nominell: + 7,6 Prozent) angestiegen.

Darüber hinaus ist auch der Bereich der Spitalsambulanzen stark gewachsen. 2008 wurden knapp über 7,7 Mio. Patienten ambulant behandelt - das reale Kostenwachstum ist dort mit rund 40 Prozent seit dem Jahr 2000 besonders stark ausgeprägt. Durchschnittlich betragen die Kosten pro ambulantem Patienten etwa 183 Euro. Es gibt jedoch starke regionale Unterschiede - in Wien kostet ein ambulanter Patient sogar 234 Euro.

"Kostendämpfungen zumindest bei gleicher Qualität für die Patienten ist durch Beseitigung von Ineffizienzen im Gesundheitssystem möglich. Der vom Vorstandsvorsitzenden im Hauptverband, Hans- Jörg Schelling, angekündigte "Masterplan Gesundheit" mit einer koordinierten Steuerung und Planung sowie einer Finanzierung aus einem Topf ist dazu ein entscheidender Schritt" betont Gleitsmann.

Ein weiteres erfolgreiches Instrument zur Beseitigung von Ineffizienzen sind Public Private Partnership -Modelle (PPP-Modelle). "20 Prozent Kostenvorteile sind durch Kooperationen mit privaten Managementpartnern in Form von PPP-Modellen im Spitalsbereich möglich", tritt Gleitsmann für die Einbeziehung von privatwirtschaftlichen Erfahrungen im österreichischen Spitalsbereich ein. Vor allem bei den Personalkosten könnten durch neue Kollektivverträge durchschnittlich 13,5 Prozent eingespart werden. "Alleine in Wien schlummert ein Einsparungsvolumen von 170 Mio. Euro, wenn kommunale Krankenhäuser die Produktivität von Ordensspitälern oder Privatkrankenhäusern erreichen würden", so Gleitsmann, der als Modellkliniken im PPP-Bereich die Gesundheitszentren der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) anführt.

Die SVA betreibt in Kooperation mit einem privaten Managementpartner das Neurorehabilitations-Zentrum am Rosenhügel in Wien (Vamed-Gruppe) und das Klinikum Malcherhof in Baden mit dem Behandlungsschwerpunkt Rheumaerkrankungen (PremiaMed-Gruppe). Die Hereinnahme von privaten Partnern stellt sicher, dass höchste medizinische Qualität unter Einsatz moderner Managementmethoden effizient und effektiv angeboten werden kann. Die Partner sind zu 49 Prozent an der jeweiligen Betriebs-GmbH beteiligt, die restlichen 51 Prozent stehen im Eigentum der SVA. Die Immobilien und Mobilien sind vom Betreiber gepachtet, stehen aber weiterhin im Eigentum der SVA. SVA-Generaldirektor Stefan Vlasich: "Die SVA-Gesundheitszentren sind bestens ausgelastet, die Patientenzufriedenheit ist in allen Beurteilungen sehr gut".

Vor kurzem wurde auch beim dritten SVA-Gesundheitszentrum, der Herz-Kreislauf-Sonderkrankenanstalt Bad Ischl, ein kompetenter Partner ins Boot geholt. Im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung wurde die Homacon Krankenhausbeteiligung GmbH - ein Unternehmen im Verbund mit der Vinzenz Gruppe - als Bestbieter ermittelt. Gesundheitsexperte Gleitsmann: "Die Einrichtung wird - analog zu den beiden anderen Häusern - in Kooperation geführt und betrieben. Den Patienten soll durch diese partnerschaftliche Kooperation ein hochmodernes und bestens ausgestattetes Haus zur Verfügung stehen. Schwerpunkt werden weiterhin Anschlussheilverfahren bei Versicherten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, ein Ausbau um bis zu 49 Betten ist geplant". (AC)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/240

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich
Mag. MBA Dietmar K. Schuster
Tel.: 05 90 900 3714
E-Mail: dietmar.schuster@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003