- 09.02.2010, 08:00:18
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Update: Biologika
Aus der Forschung in die Klinik
Wien (OTS) - Gerade bei der Behandlung schwerster,
lebensbedrohlicher Erkrankungen stoßen die herkömmlichen, synthetisch
hergestellten chemischen Medikamente zunehmend an ihre Grenzen.
Weitere Optionen scheinen gerade hier die biotechnologisch
hergestellten Medikamente zu bieten, die die Vision einer
personalisierten, individuell maßgeschneiderten Medizin in
greifbarere Nähe rücken lassen.
Im Rahmen der ersten Amgen.Press.Academy, einer mit hochkarätigen
Experten besetzten Informationsplattform, erläuterten am 8. Februar
2010 in Wien renommierte Wissenschafter und Forscher die
Zusammenhänge dieser hoch komplexen Materie, gaben einen Überblick
über den Stand der Forschung, über aktuelle Entwicklungen in der
Praxis sowie die Zukunftsperspektiven der Biologika.
Visionen mit uralten Wurzeln...
Biotechnolgie ist einer der ältesten Wissenschaften. Das Brauen
von Bier, das Fermentieren von Wein, das Backen von Brot - all dies
sind biotechnologische Prozesse, die schon seit Jahrtausenden
angewendet werden.
Die moderne Biotechnologie ist im Vergleich dazu eine blutjunge
Wissenschaft, die aber dabei ist, vor allem die Medizin zu
revolutionieren.
...erobern die moderne Medizin
"Biotechnologisch hergestellte Medikamente stellen heute ca. 20%
aller zugelassenen Arzneimittel dar, aber schon die Hälfte aller
Medikamente, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, ist
biotechnologischen Ursprungs", umreißt Dr. Wolfgang Töglhofer,
Medical Director der Firma Amgen, des derzeit größten
Biotechnologie-Unternehmens weltweit, die Situation.
Die Forschung geht zunehmend daran, die molekularen Grundlagen von
Krankheiten zu entdecken. Basierend auf diesen neuen Erkenntnissen
sowie auf dem Wissen um den möglichen Einfluss unserer Gene auf die
Wirksamkeit von Medikamenten, eröffnen Biologika völlig neue
diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Auf Basis dieser
Erkenntnisse können mit Hilfe der Biotechnologie zusätzliche
Therapien entwickelt werden.
Aufwändige Herstellung
"Mittels Biotechnologie 'zwingt' man lebende Zellen, während der
Proteinsynthese genau jene Proteine herzustellen, die man zu
therapeutischen Zwecken benötigt", erläutert der Wiener Pharmakologe,
Univ.-Prof. Dr. Michael Wolzt, kurz und prägnant die Grundlage. "Die
moderne Biotechnologie hat ermöglicht, dass große Moleküle wie
Hormone, Antikörper, Gerinnungsfaktoren und andere Eiweißkörper durch
Zellen synthetisiert werden, in die zuvor die gewünschte Erbsubstanz
eingebracht wurde. Diese Übertragung mit Neukombination der
genetischen Information führt so zur Bildung von definierten
Zellprodukten, die als "rekombinant" bezeichnet werden. Da der
Vorgang der körpereigenen Produktion entspricht, kann ein
biologischer Syntheseweg nachgeahmt werden."
Die Produktion von Biologika ist ein hoch komplexer und sehr
aufwändiger Prozess. Denn zumeist handelt es sich dabei um sehr große
Proteine, deren Struktur relativ instabil ist und die sehr
empfindlich auf die Umgebungsbedingungen reagieren. Was unter
Laborbedingungen noch recht einfach zu bewerkstelligen ist, wird im
industriellen Maßstab (Scale-Up-Prozess) zu einer komplexen
technischen Herausforderung. Die Herstellung von Biologika hat sich
zu einer wissenschaftlichen Disziplin entwickelt, die sich in
folgenden vier Schritten zusammenfassen lässt: Entwicklung der
Master-Zellbank, Zellkultivierung und Proteinproduktion, Isolierung
und Reinigung der Proteine aus den Zellen sowie Vorbereitung der
Biologika für den Patienten. Der gesamte Prozess von der Entwicklung
der Master-Zellbank bis zur Vorbereitung der Biologika für den
Patienten kann sechs Monate dauern und Millionen von Euro kosten.
Biologika in der Onkologie - Medikamente der Zukunft
Vor allem in der Onkolgie haben Biologika einen Siegeszug
angetreten. Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der
Universitätsklinik für Innere Medizin I und Leiter der Klinischen
Abteilung für Onkologie, Medizinische Universität Wien und AKH Wien:
"In der 'personalisierten' Tumortherapie spielen - mit wenigen
Ausnahmen der Chemotherapie - Biologika eine entscheidende Rolle.
Diese Substanzen, die aus Eiweißmolekülen - Proteinen oder Peptiden -
bestehen, richten sich gegen entscheidende Strukturen an der
Oberfläche oder im Inneren von Tumorzellen. Doch nicht nur ihre
Struktur unterscheidet sie von den üblichen Chemotherapeutika,
sondern auch ihre gezielte Wirkungsweise gegen Tumorzell-assoziierte
Strukturen, die das unkontrollierte Wachstum, das unkontrollierte
Überleben, die Metastasierung oder die Blutversorgung von Tumorzellen
oder Tumorzellverbänden regulieren. Somit richtet sich die
Wirksamkeit nicht gegen einen wenig bekannten oder unspezifischen
Teilungsmechanismus, wie herkömmliche Zytostatika, sondern gegen klar
definierte Ziele an oder in der Tumorzelle."
Zielinski betonte weiters, dass "Biologika ein wichtiger
Bestandteil im Armentarium der Therapie von Patienten mit malignen
Erkrankungen geworden sind, die einerseits die durch Chemotherapie
erzielten Ergebnisse signifikant verbessern, anderseits aber auch
dazu führen, dass entsprechende Therapien im richtigen Intervall
verabreicht werden können. Die Zukunft der 'personalisierten'
Therapie von Patienten mit malignen Erkrankungen liegt ohne Zweifel
in der Verwendung dieser Substanzen, auch wenn eine Kombination mit
Chemotherapie aus derzeitiger Sicht nach wie vor essentieller
Bestandteil der Behandlung ist."
Und last but not least beleuchtete Univ.-Prof. Mag. Dr. Markus
Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik der
Medizinischen Universität Wien, unter anderem den Bereich der
genetischen Diagnostik klinisch manifester Erkrankungen des Menschen.
Statements der ReferentInnen sowie weitere Informationen zum
Download unter: www.medical-media-consulting.at/pressroom
Rückfragehinweis:
Barbara Urban und Mag. Harald Schenk
Urban & Schenk medical media consulting
Tel.: 0664/41 69 4 59 (Urban), Tel.: 0664/160 75 99 (Schenk)
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