TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 8. Februar 2010, von Mario Zenhäusern: "Unvernunft muss endlich bestraft werden"

Einige wenige riskieren des bloßen Kicks wegen ihr eigenes Leben und, was schwerer wiegt, das der Retter.

Innsbruck (OTS) - In den vergangenen Tagen donnerten in Österreich Hunderte Lawinen zu Tal. Die meisten davon unbemerkt. Schäden, die sie eventuell an Almen, Weidezäunen oder Wäldern angerichtet haben, apern erst im Frühjahr aus. Die Öffentlichkeit nimmt indes nur den anderen, zahlenmäßig kleineren Teil der Lawinenabgänge wahr: jene Schneebretter, die bis in bewohntes Gebiet vordringen, Liftanlagen bedrohen und im schlimmsten Fall gar Menschen mitreißen.
Um Letzteres möglichst zu verhindern, ließen die Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes in der Vorwoche keine Gelegenheit aus, um vor der absolut unberechenbaren Situation zu warnen. Sie verhängten Lawinenwarnstufe vier, machten immer wieder auf die große Gefahr aufmerksam, die abseits der gesicherten Pisten lauert.
In der Vorwoche kamen allein in Österreich acht Menschen unter Lawinen zu Tode. Dutzende konnten von Rettern gerade noch rechtzeitig ausgegraben werden. Man möchte meinen, dass diese Tatsache den fast verzweifelten Warnungen der Experten zusätzlichen Nachdruck verleiht. Mitnichten! Auch am vergangenen Wochenende ließen unzählige Wintersportler, Einheimische genauso wie Touristen, die sicheren Pisten für eine Variantenfahrt hinter sich oder unternahmen eine Skitour. Nicht einmal widrigste äußerste Bedingungen konnten sie davon abhalten.
Das hat nichts mit Mut zum Risiko oder Abenteuerlust zu tun, sondern ist eine sträfliche Missachtung alpiner Verhaltensregeln, die nicht länger toleriert werden darf. Es kann nicht sein, dass einige Wenige des bloßen Kicks wegen ihr eigenes Leben und, was noch viel schwerer wiegt, auch das der vielen freiwilligen Helfer riskieren, ohne dass sie dafür zur Verantwortung gezogen werden.
Deshalb gehört diese Unvernunft endlich bestraft.

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