Neues Volksblatt: "Integration" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 6. Februar 2010

Linz (OTS) - Wie soll religiös-traditionell begründete Gewalt strafrechtlich beurteilt werden? Diese Frage steht im Raum, nachdem ein gebürtiger Türke, der seine scheidungswillige Frau schwer verletzt hatte, vor Gericht in Wien mit einer vergleichsweise milden Strafe davon kam. Damit sind wir bei einer grundsätzlichen Thematik:
Rechtsnormen sind immer auch bedingt durch die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse, aus denen sie stammen und für die sie gelten. Werte und Traditionen dieser Gesellschaft sind in die Rechtsordnung eingeflossen. Da gibt es naturgemäß Unterschiede je nach Kulturkreis, ob es sich zum Beispiel um ein europäisches, ein vom Islam geprägtes oder ein afrikanisches Land handelt. Diese Unterschiede sind zu respektieren. Ebenso muss aber gelten: Wenn ich in einem bestimmten Kulturkreis lebe, dann habe ich die Rechtsnormen eben dieses Kulturkreises einzuhalten. Egal, wie meine Traditionen und mein persönliches Rechtsempfinden aussehen. Daher kann sich ein Ausländer, der in Österreich lebt und hier seine scheidungswillige Frau fast tot schlägt, nicht auf seine "Herkunft" oder "Erziehung" berufen oder diese gar als Vorwand für Gewalt in der Familie verwenden. Das zu akzeptieren ist auch ein Zeichen von Integrationsbereitschaft.

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