DER STANDARD-KOMMENTAR "Ein typisch österreichischer Skandal" von Alexandra Föderl-Schmid

Auch bei den Salzburger Festspielen hat niemand nichts Genaues wissen wollen - Ausgabe vom 5.2.2010

Wien (OTS) - Wie sehr die Salzburger Festspiele vom Mammon regiert werden, ist allsommerlich beim Jedermann zu sehen. Vor dem Salzburger Dom geht es um eines: um den Schatz, um das Geld.
Vor allem darum scheint es auch den Hauptbeschuldigten Michael Dewitte und Klaus Kretschmer gegangen zu sein, für die die Unschuldsvermutung gilt. Aber publik wurde nicht nur ein Schaden von zwei Millionen Euro, sondern ein System, das an Bankskandale erinnert: selbst zugeteilte Honorare, Überweisungen an eine Bank in Nordzypern, eine karibische Postkastenfirma, exorbitante Spesenrechnungen, abgezweigte Sponsorengelder. Die Osterfestspiele entpuppen sich als "finanzieller Selbstbedienungsladen", wie Landeshauptfrau Gabi Burgstaller überrascht feststellte.
Ihr Erstaunen erstaunt allerdings auch: Denn Burgstaller ist die geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiele. Aber die SPÖ-Politikerin will nichts gewusst haben, weil sie sich auf das Okay einer Rechnungsprüferin und zweier Wirtschaftsprüfungskanzleien verlassen hat. Eine dubiose Rolle spielt auch ein Salzburger Anwalt, der an der Osterfestspiel-Gesellschaft mit zwei Prozent beteiligt ist und alles unterschrieben haben soll, sowie die in der Schweiz und in Monaco angesiedelte Karajan-Stiftung.
Jeder zeigt in diesem Spiel auf jeden: Es muss jetzt schleunigst geklärt werden, wer wann was gewusst hat und warum diese Missstände jahrelang niemandem aufgefallen sind. Offenbar hat bisher niemand genau hingeschaut - oder hinschauen wollen: Jedem müsste aufgefallen sein, dass die Frau von Osterfestspiel-Chef Dewitte auf der Gehaltsliste stand und es nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wenn eine Taxirechnung von der Innenstadt zum Salzburger Flughafen 585 Euro ausmacht. Auch wenn juristisch die Sommer- und Osterfestspiele getrennt sind, so haben die nun publik gewordenen Machenschaften der Manager enge Verflechtungen aufgezeigt: Eine Rechnungsprüferin betreut beide, der Technische Direktor der Sommerfestspiele, Kretschmer, arbeitete auch für die Osterfestspiele.
Der Öffentlichkeit präsentiert sich in der Mozartstadt ein Filz, wie er für Österreich typisch ist: Man kennt sich und schiebt sich gegenseitig etwas zu; Politiker und Wirtschaftsprüfer kommen ihrer Kontrollpflicht nicht oder nur ungenügend nach. Es ist bezeichnend, dass in einem Land, in dem an Denkmälern nicht gekratzt wird, erst zwanzig Jahre nach dem Tod von Herbert von Karajan einmal nachgeschaut wird, ob bei den von ihm1966 gegründeten Osterfestspielen alles mit rechten Dingen zugeht.
Es handelt sich nicht um eine Salzburger Lokalposse. Wenn etwa die Welt vom "Salzburger Sumpf" und das Handelsblatt "von einem Korruptionsskandal" schreibt, "den es so in Europas Kulturszene wohl noch nicht gegeben hat", und auf den zweiten Skandal nach der Hypo Alpe Adria binnen kurzer Zeit verweist, dann geht es nicht nur um den Ruf Salzburgs. Schließlich sind die Salzburger Festspiele ein Aushängeschild österreichischer Hochkultur - weltweit.
Der Imageschaden ist schon jetzt enorm, nur vollständige Aufklärung und Konsequenzen können dem entgegenwirken. Es steht das Vertrauen von Sponsoren und Spendern, aber auch das Geld des Steuerzahlers auf dem Spiel. Die gleichen Maßstäbe wie für eine Bank müssen auch für eine Kulturinstitution gelten - für jedermann. Auch in Salzburg.

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