"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Um dieses Osterfestival wäre es nicht schade"

Es ist ein großer Fehler, alle Salzburger Festspiele in einen Topf zu werfen.

Wien (OTS) - Bei den Festspielen in Salzburg wird wegen überhöhter Spesenabrechnungen, abgezweigtem Sponsorgeld, Scheinfirmen und allerlei anderer unanständiger Vorwürfe ermittelt. Imagemäßig ist das so, als wären die Sängerknaben gedopt, die Lipizzaner weiß getüncht oder Schönbrunn nur eine Papp-Kulisse für eine Daily Soap. Also nicht super. Und Wasser auf die Mühlen jener, die der Überzeugung sind, subventionierte Kunst sei ohnehin ein Selbstbedienungsladen. Doch so einfach ist es nicht. Daher, um präzise zu sein, ein paar Klarstellungen. Betroffen sind die Osterfestspiele, nicht die im Sommer stattfindenden Salzburger Festspiele. Die Direktion des Sommerfestivals - Präsidentin Helga Rabl-Stadler (sie hat professionell reagiert und sofort Prüfungen veranlasst) und der amtierende Intendant Jürgen Flimm (ja, den gibt es noch) - scheint nicht das Geringste damit zu tun zu haben. Der gekündigte Technikchef der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, der sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe das Leben nehmen wollte, dürfte dahingehend verwickelt sein, als er auch für den Osterbetrieb tätig war und ihm nicht zustehende Honorare kassiert haben soll.
Keine Kontrolle Salzburgs Festspielbetriebe also generell zu denunzieren, ist Unsinn. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass jahrelang niemand von diesen Vorfällen gewusst hat. Dass etwa Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiele, zuletzt in der ZiB 2 ihre Rolle als Kontrollorgan a priori dementierte, wirkte seltsam.
Klaus Kretschmer wird übrigens nachgesagt, ein exzellenter Technischer Direktor gewesen zu sein - was die Anschuldigungen nicht mildert. Aber gibt es in diesem Skandal tatsächlich nur ein paar Buhmänner?
Zur weiteren Differenzierung von Oster- und Sommerfestspielen muss man wissen: Die Osterfestspiele dauern zehn Tage, bringen eine Oper und drei Konzertprogramme, das Sommerfestival dauert fünf Wochen und produziert ein Vielfaches. Die Osterfestspiele wurden 1967 von Karajan gegründet - auch, weil er in Bayreuth nicht zum Zug kam. Nun haben offenbar einige in den immer noch gefüllten Karajan-Topf gegriffen.
Auch die Subventionen lassen sich nicht vergleichen: Die Sommerfestspiele bekommen 24 Millionen Euro, die Osterfestspiele erhielten zuletzt 500.000 und sind primär privat finanziert. Die Kartenpreise zu Ostern (1230 Euro für Oper und drei Konzerte) sind unverschämt. Das Publikum besteht zum großen Teil aus deutschen Industriellen. Alleiniges Orchester sind die Berliner Philharmoniker. Diese drohten zuletzt mit Abwanderung nach Baden-Baden, woraufhin Salzburg mehr Sub-vention zusagte. Das hat sich als Fehlentscheidung herausgestellt, denn offenbar war ja genügend Geld da.
Das ist ein weiterer Skandal: Dass ein Festival mehr bekommt, obwohl es von Karajans Idealen meilenweit entfernt ist. Wenn es die Osterfestspiele in dieser Form nicht gäbe, wäre nicht viel verloren. Die künstlerische Prüfung fällt ebenso verheerend aus wie die finanzielle.

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