"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Denn sie haben gar nichts gelernt!" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 4. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Obwohl die Krise noch nicht überwunden ist, schanzen sich US-Banker Boni zu. Das ist blanker Hohn.

Nur langsam erholt sich die Weltwirtschaft vom Krisenjahr 2009. Die Konjunkturkurve zeigt zwar in vielen Ländern - dazu zählt auch Österreich - leicht nach oben, durchwandert aber ist die Talsohle noch lange nicht. Vor allem am Arbeitsmarkt werden die Auswirkungen noch lange zu spüren sein. Als eine der vielen Konsequenzen aus dem Finanzkollaps des Vorjahrs wird die Zahl der Arbeitslosen in den nächsten beiden Jahren nochmals deutlich ansteigen.

Vor diesem Hintergrund ist es blanker Hohn, dass die amerikanischen Banker und Versicherungsmanager sich wieder Bonuszahlungen zuschanzen, als ob nichts geschehen wäre. Als ob die weltweite Finanzkrise, die in Amerika ihren Ausgang genommen hat, nie stattgefunden hätte. Der Versicherer AIG zum Beispiel, eben erst mit 182 Milliarden Dollar aus dem Staatshaushalt vor der Pleite gerettet, schüttet 100 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter aus, die Bank of America hat ihren Investmentbankern und Händlern im Vorjahr sogar vier Milliarden Dollar ausbezahlt. Bonuszahlungen für Misswirtschaft? Es scheint, dass die Verantwortlichen aus den Vorgängen nach dem Lehman-Konkurs nichts, aber auch gar nichts gelernt hätten.

US-Präsident Barack Obama hat mehrfach angekündigt, den riskanten Spekulanten an der Wall Street das Handwerk legen zu wollen. Bislang ist davon wenig zu spüren. Es wird Zeit, dass den großen Worten des mächtigsten Mannes der Welt auch entsprechende Taten folgen. Sonst zerbröselt das Bild Obamas, bevor die Farbe trocken ist. Gelegenheit zu zeigen, dass es ihm ernst ist mit seinen Ankündigungen, hätte Obama beim Versicherer AIG. Der befindet sich seit der spektakulären Rettungsaktion zu 80 Prozent in Staatsbesitz. Also könnte der erste Repräsentant des Staates auch dafür sorgen, dass die Bonuszahlungen eingestellt werden.

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