Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Mörder im Iran"

Ausgabe vom 3. Februar 2010

Wien (OTS) - Die oppositionelle Bewegung im Iran soll nicht
mundtot gemacht werden, sondern ganz tot. Zwei Teilnehmer an den Protesten des Vorjahres gegen Irans Führung wurden bereits hingerichtet, die US-Regierung hat dies richtigerweise als Mord bezeichnet. Nun sollen neun weitere Oppositionelle als Abschreckung hingerichtet werden, weil weltliche und geistliche Führung des Regimes fürchten, dass es am Revolutionstag, dem 11. Februar, zu weiteren Demonstrationen kommen wird.

Die Welt protestiert, allen voran die USA und die EU. Im Iran zeigt sich die Führung unbeeindruckt und ist bereit, neun weitere Morde zu begehen.

Die Reaktion der Staatengemeinschaft darauf kann nur eine ähnliche Kompromisslosigkeit im Vorgehen sein. Die Zeit des Verhandelns mit dem Iran neigt sich wohl dem Ende zu, denn zu Verhandlungen gehören immer zwei.

Für die heimische Wirtschaft, die immer noch ganz gute Geschäfte mit dem Iran abwickelt, heißt es wohl Abschied nehmen von diesen guten Geschäften. Wer Erdgas aus dem Iran kauft, akzeptiert dieses Regime. Und dieses Regime hat sich nicht nur - über Wahlbetrug -widerrechtlich an der Macht gehalten, sondern lässt Menschen ermorden, deren einziges "Verbrechen" darin besteht, anderer Meinung zu sein.

Für die muslimischen Gemeinden in Europa kann es nur bedeuten, dass sie sich so schnell wie möglich von den (regierenden) Ayatollahs distanzieren. Denn die erweisen der Religion derzeit einen Bärendienst. Was ist von einem geistlichen Führer wie Ayatollah Ahmand Jannati (Vorsitzender des Wächterrats) zu halten, der in einem Gebet die Hinrichtungen verteidigt? Gebete, die Gewalt sanktionieren, sind in jeder Religion ein arger Missbrauch, so auch im Islam.

Die Führung im Iran ist der Meinung, ein Monopol auf den Gottesbegriff zu haben, eine weitere Anmaßung. Solchen Leuten auch noch eine Atombombe in die Hand zu geben, ist unvorstellbar.
Die Zeit des Verhandelns mit dem Iran neigt sich dem Ende zu, leider. Es wäre schön, wenn die Welt geeint gegen dieses Regime auftreten würde. Die UNO ist dafür zu schwach, aber Amerika und Europa sollten nun klarmachen, dass der Iran seine letzte Grenze überschritten hat.

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