Falter: Srebenica-Aufdecker erhält kein Asyl in Österreich

Bruno-Kreisky-Preisträger Jovan Mirilo half Haager Kriegsverbrechertribunal. Experten warnen vor "Abschiebung in den Tod"

Wien (OTS) - Im Innenministerium bahnt sich ein neuer humanitärer Skandal an. Jovan Mirilo, Träger des Bruno Kreisky Preises für Menschenrechte soll abgeschoben werden. Das berichtet die Wiener Wochenzeitung Falter in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe. Experten wie der Historiker Oliver Rathkolb, Menschenrechtsprofessor Manfred Nowak und der Balkan-Spezialist Erhard Busek warnen vor dieser Entscheidung.

Mirilo hatte 2007 den international höchst renommierten Wiener Menschenrechtspreis erhalten, weil er das berüchtigte Video des Massakers von Srebrenica an das Kriegsverbrechertribunal Den Haag gesandt haben soll. Er stieß damit laut Jury "eine wichtige Nachdenkphase und kontroverse interne Diskussion innerhalb der serbischen Gesellschaft" an.

Mirilo sieht sich nun in Lebensgefahr. Renommierte Balkanexperten bestätigen seine Einschätzung und warnen, dass Jovan Mirilo ein Schicksal wie dem tschetschenischen Kronzeugen Umar Israilov blühen könnte, der vor einem Jahr in Wien ermordet wurde, nachdem Behörden seine Ängste nicht ernst genug genommen hatten.

Das Bundesasylamt hingegen wirft Mirilo vor, seinerseits ein Schwindler oder gar Krimineller zu sein. Die Bruno-Kreisky-Jury habe zum Zeitpunkt der Verleihungen noch nicht gewusst, dass der Preis "aufgrund falscher Angaben" verliehen worden sei. Juror Oliver Rathkolb widerspricht auf "Falter"-Nachfrage dieser Darstellung massiv.

Mirilos Asylbescheid stützt sich laut "Falter" großteils auf ein anonymes Gutachten, das dem Falter vorliegt. In diesem finden sich etliche manipulierte Textstellen. So wurden etwa Quellen mangelhaft angegeben und Zitatpassagen, die auf eine Gefährungslage hindeuten, unterschlagen. Amnesty-International-Chef Heinz Patzelt nennt das Gutachten "rechtsstaatlich zutiefst verwerflich". Das dem Asylamt übergeordnete Innenministerium will den Fall nicht kommentieren.

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