Gaspedal klemmt - Richtiges Verhalten im Extremfall und wie sind die Automobilhersteller qualitativ gefordert

Wien (OTS) - Die jüngste Rückrufaktion des größten Automobilherstellers der Welt lässt aufhorchen - wie verhält man sich im Extremfall, wenn es während der Fahrt zur Klemmung des Gaspedals kommt? Welche Aktion des Fahrers ist richtig und wie bringt er das Fahrzeug sicher zum Stehen? Warum kann renommierten Automobilherstellern so etwas passieren und wie ist die Sicherstellung laufender Qualität in der Produktion geregelt? Zu diesen Themen nehmen die Experten der TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH Stellung.

Wenn das Gaspedal klemmt, während sich ein Fahrzeug in Fahrt befindet, so ist dessen Lenker schlagartig mit einer besonderen und extrem kritischen Situation konfrontiert. Von seinem richtigen Handeln hängt es nunmehr ab, ob er in der Lage ist, das Fahrzeug sicher und kontrolliert zum Stillstand zu bringen und damit einen folgenschweren Unfall zu verhindern.

Um in eine derart kritische Situation zu gelangen, muss es nicht einmal so weit gehen, dass ein technischer Mangel vorliegt, wie der aktuelle Fall aufhorchen lässt. Es würde schon genügen, wenn sich eine nicht befestigte oder unpassende Fußmatte aus Textilmaterial oder Gummi im Fußraum derart verschiebt, dass diese den Gaspedalmechanismus verklemmt und dadurch die Rückstellfunktion des Pedals blockiert ist.

Um sich in dieser Situation richtig zu verhalten, empfiehlt die TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH folgende Verhaltensmaßnahmen:

  • Bei Fahrzeugen mit Gangschaltung: ausreichend stark Bremsen, um das Fahrzeug zu Verlangsamen, Auskuppeln, Fahrzeug außerhalb des Gefahrenbereiches kontrolliert zum Stillstand bringen, Motorabstellen.
  • Bei Fahrzeugen mit automatischem oder halbautomatischem Getriebe: ausreichend stark bremsen und das Fahrzeug zu Verlangsamen, Wählheben wenn möglich auf Neutral stellen, Fahrzeug außerhalb des Gefahrenbereiches kontrolliert zum Stillstand bringen, Motor abstellen.
  • Nicht in Panik den Zündschlüssel aus dem Schloss ziehen - vor allem bei älteren Fahrzeugen, wo dies auch während der Fahrt möglich ist, kommt es sofort zu einem blockieren der Lenkradsperre und der Wagen kann nicht mehr gelenkt werden.
  • Im Zweifelsfall vor der Fahrt und mit noch abgestelltem Motor einmal das Gaspedal ganz durchdrücken. Es muss nach dem Loslassen widerstandslos in seine Ausgangsstellung zurückkehren.
  • Laufende Fahrzeugwartung gemäß Serviceplan von der Fachwerkstätte durchführen lassen,
  • Keine unpassenden oder leicht verrutschenden Fußmatten verwenden. Fußmatten nicht "doppelt", d.h. Gummimatte über Textilmatte liegend, verwenden, sondern immer nur eine Matte.

Grundsätzlich liegt es im Verantwortungsbereich des Fahrzeugherstellers, die Qualität seines Produktes sicherzustellen. Dazu ist er zur regelmäßigen Durchführung laufender Qualitätssicherungsmaßnahmen verpflichtet, der sogenannten Conformity of Production, CoP.

Übereinstimmung der Produktion (Conformity of Production, CoP)

Hersteller von Fahrzeugen, Systemen, Bauteilen oder selbstständigen technischen Einheiten sind gemäß RR 70/156/EWG, Artikel 10 (Übereinstimmung der Produktion), verpflichtet, dass ihre genehmigten Produkte weiterhin mit dem genehmigten Typ übereinstimmen.

Insbesondere obliegt es dem Inhaber einer EG-Typgenehmigung, gemäß Anhang X (Verfahren hinsichtlich der Übereinstimmung der Produktion) der RR 70/156/EWG, sicherzustellen, dass Verfahren für eine wirksame Kontrolle der Übereinstimmung der Produkte (Fahrzeuge, Systeme, Bauteile oder selbstständige technische Einheiten) mit dem genehmigten Typ zur Verfügung stehen und angewendet werden;

Der Hersteller muss sicherzustellen, dass für jeden Produkttyp die in der vorliegenden Richtlinie vorgeschriebenen Kontrollen durchgeführt werden. Alle Stichproben oder Prüfteile, die bei einer bestimmten Prüfung den Anschein einer Nichtübereinstimmung geliefert haben, geben Veranlassung für weitere Musterentnahmen und Überprüfungen. Dabei sind alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Übereinstimmung der Fertigung mit dem genehmigten Fahrzeug oder der Komponente wiederherzustellen.

Die CoP - Forderungen gelten gleichermaßen für die Fahrzeughersteller wie für die Lieferanten der Komponenten.

Die Praxis zeigt, dass vor allem Lieferanten von genehmigungspflichtigen Bauteilen, Systemen oder selbstständigen technischen Einheiten die Forderung der RR 70/156/EWG zu CoP, aufgrund der zum Teil hohen Kosten, nicht erfüllen.

Hersteller von Fahrzeugen, Systemen, Bauteilen oder selbstständigen technischen Einheiten, die ihr Genehmigungsverfahren über TÜV AUSTRIA AUTOMOTIVE GMBH abwickeln, werden auch konsequent hinsichtlich der CoP - Verpflichtung betreut, so dass Rückrufaktionen im Ausmaß der aktuellen und gefährlichen Situation, die einige große Automobilhersteller starten mussten, vermieden werden.

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