"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Leichtsinniges Spiel mit dem Tod" (Von Irene Rapp)

Ausgabe vom 2.2.2010

Wien (OTS) - Wer sich als Tourengeher ohne VS-Gerät ins Gelände begibt, gefährdet nicht nur sein, sondern viele Leben.

Er hat großes Glück gehabt. Mehr Glück als Verstand, sagen hinter vorgehaltener Hand jene Bergretter, die am Sonntag in der Wildschönau einen Tourengeher aus eineinhalb Metern Schnee ausgegraben haben. Denn der 28-Jährige aus Münster war nicht nur ohne Notfallausrüstung - also VS-Gerät, Schaufel und Sonde - unterwegs. Der leidenschaftliche Hobbysportler hatte zudem keine Ahnung von der Lawinenwarnstufe und fuhr in einem steilen Gelände ab, das von Einheimischen bei kritischen Bedingungen gemieden wird.
Dass der Mann den Lawinenabgang überlebt hat und nach 50 Minuten nur unterkühlt geborgen werden konnte, grenzt deshalb an ein Wunder. Denn bereits nach 15 Minuten unter Schnee sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit dramatisch, nicht selten können Bergretter dann nur noch Tote bergen. Dem 28-Jährigen angesichts derartiger Fakten Leichtsinn zu unterstellen, ist daher legitim und wahrscheinlich noch der kleinste zu hörende Vorwurf. Immerhin brachte er nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch zahlreiche Bergretter.

Dass nicht alle Hobbysportler derartige Gedankenlosigkeit auszeichnet, zeigt jedoch die Statistik: So ist die durchschnittliche Zahl der Lawinentoten pro Jahr in Tirol relativ konstant - und das, obwohl das Tourengehen immer mehr anzieht. Der Großteil der Tourengeher geht allerdings gut vorbereitet und gut ausgerüstet ins Gelände - trotzdem wird 100%ige Sicherheit im alpinen Raum nie der Fall sein. Dennoch: Risikomanagement ist das Um und Auf auch für den Hobbysportler. Denn nicht immer kann man mit so viel Glück rechnen, wie es der 28-Jährige gehabt hat. Dieser lud übrigens einen Tag nach seinem Unfall die Medien ins Krankenhaus ein - von Leichtsinn wollte er allerdings nichts hören. Womit sich nur eine Schlussfolgerung aufdrängt: dass manche mehr Glück als Verstand haben.

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