Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Wenig Einsicht bei Banken"

Ausgabe vom 28. Jänner 2010

Wien (OTS) - Es ist kaum verwunderlich, dass angesichts der Krise das Vertrauen in die Banken deutlich gesunken ist. Die momentane Debatte über die Banken beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist vor diesem Hintergrund auch nicht gerade förderlich.

Denn die Geldinstitute sind einfach zu wichtig, um nicht zu funktionieren. Wenn die Banken nicht mehr Gas geben, um Investitionen zu finanzieren, wird es noch längere Zeit sehr viele Arbeitslose in Europa und den USA geben.

Besonders ärgerlich ist dabei, dass die Spitzen-Vertreter der Branche vor dieser Verantwortung keinerlei Demut zeigen. Aufgepäppelt mit öffentlichem Geld und gefüttert von den Notenbanken, steigen die Betriebsergebnisse der Geldinstitute. Der Handel mit Wertpapieren aller Art blüht wie vor der Krise, und plötzlich soll es mit der Regulierung nicht mehr so ernst sein.
Dass Politiker wie Frankreichs Präsident Sarkozy da deutliche Worte finden, ist verständlich. Der Jammer ist, dass es bloß Worte sind. Am Höhepunkt der Finanzkrise, als das weltweite System vor dem Zusammenbruch stand, war die Rede von "regulierten Märkten, Marktteilnehmern und Produkten". Nun, von den Produkten ist keine Rede mehr, es wird spekuliert wie vor 2008. Die Vorschläge der EU zur Regulierung sind bereits zahm geraten. Was vom Plan von US-Präsident Obama übrig bleibt, Banken bei besonderer Risikofreudigkeit steuerlich zu bestrafen, bleibt abzuwarten.

Warum die Banker so wenig Einsicht zeigen, ist nicht recht verständlich. Es wäre doch einfach zu sagen, dass die Zeit der exorbitanten Gewinne vorbei ist, weil sie auf exorbitanten Risken ruhten.

Warum die Politiker so leicht nachgeben, ist noch unverständlicher. Natürlich ist Geld sexy, und Banker umweht die Aura des Geldes. Aber die Krise, in der die Welt geraten ist, sollte doch stark genug (gewesen) sein, um diesen Verlockungen nicht mehr zu erliegen.
Die heimischen Banken sind von ihrer Größe her ohnehin nicht betroffen, aber einige internationale Institute müssen sich ob ihrer Größe die Frage gefallen lassen, wer im Ernstfall für sie einspringen wird: Staaten und Notenbanken. Dass Spekulationsrisken und hohe Dividendenzahlungen dem widersprechen, müssten gerade Banker verstehen.

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