WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Aus der Post ist noch viel herauszuholen - von Robert Lechner

Die Ausdünnung klassischer Airlines ist ein abschreckendes Beispiel

Wien (OTS) - Für jede Gemeinde eine Poststelle. So lautet
zumindest das neue Motto, auf das sich der größte Logistikkonzern des Landes und die wichtigsten Interessenvertreter von Wirtschaftskammer bis Gemeindebund verständigt haben. Dass auf Österreich jetzt insgesamt 2357 Postämter oder Post-Partner zukommen, davor braucht sich niemand zu fürchten. Die Idee wird so nie umgesetzt werden.

Erfrischend an dem Thema und an der Strategie des neuen Generaldirektors Georg Pölzl ist aber, dass das Management offenbar einiges an Ressourcen investiert, um die Post nicht weiter krankzujammern. Die Lage ist ohnehin schwierig genug. In einem Jahr wird der Markt für Briefe unter 50 Gramm für alternative Anbieter geöffnet, womit das letzte Postmonopol zwar dank der einen oder anderen Zusatzbestimmung noch nicht ganz fällt, aber gehörig ins Wanken gerät. Gleichzeitig dämpft die weiterhin angespannte Wirtschaftslage das Geschäft mit Paketen, was der Division per Ende des dritten Quartals ein operatives Minus brachte. Ähnlich sieht es im Bereich Filialnetz aus.

Wer angesichts dieses Umfeldes lediglich auf einen strikten Sparkurs setzt, wird spätestens beim nächsten Aufschwung feststellen, dass dieser ohne die Post stattfindet. Hungrige Konkurrenten werden dann längst wichtige Teile der Märkte besetzt haben. Die Ausdünnung der klassischen Fluggesellschaften durch immer mehr Streckenkürzungen und Kündigungen könnte der Post als abschreckendes Beispiel dienen. Während AUA und Co. so schwach wie nie dastehen, brummt das Geschäft bei Air Berlin und deren Österreich-Ableger Niki.

Für viele Beobachter ist es ohnehin ein Rätsel, warum ein Konzern, der die Chance hat, täglich bei allen Haushalten und Unternehmen eines Landes anzuklopfen, überhaupt Probleme haben kann. Gerade im Zeitalter des E-Commerce müsste es doch möglich sein, eine Vertriebsmannschaft von 13.000 Leuten, über die die Post mit ihren Briefträgern verfügt, erfolgreicher einzusetzen. Was spricht dagegen, dass Briefträger die oft exzellente Gesprächsbasis zu ihren Kunden nützen, um auch andere Produkte anzubieten? Banken, Versicherungen, aber auch andere Handelsunternehmen müssten sich doch eigentlich auf solche Gelegenheiten stürzen. Offenbar war die Post bisher zu unflexibel oder zu uninteressiert, um solche Kooperationen einzufädeln.

Insofern ist es gut für das Unternehmen, dass jetzt utopische Ziele in puncto Standort-Ausbau gewälzt werden. Wenn dahinter kein - wie von manchen befürchtetes - Ablenkungsmanöver steckt, lässt das darauf hoffen, dass sich die Post künftig stärker ihrer Chancen bewusst wird. Ein Konzept, von dem Mitarbeiter, Kunden und Anleger profitieren könnten.

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