"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Spitals-Inseln sind nicht mehr zeitgemäß" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 25.1.2010

Innsbruck (OTS) - Tirols Spitäler benötigen Gesundheitsmanager, keine Laien aus den Gemeindestuben.

Die zerfledderte Krankenhausstruktur in Tirol hat bisher zu viele öffentliche Spitals-Inseln geschaffen. Vier Krankenhäuser werkeln in der Spitalsholding Tilak, fünf werden von Gemeindeverbänden geführt, das öffentliche Krankenhaus Zams gehört den Barmherzigen Schwestern und über das Bezirkskrankenhaus Schwaz wachen die Tilak und Krankenhausverband gemeinsam. In wirtschaftlich angespannten Zeiten macht diese Struktur aber noch weniger Sinn als zuvor. Denn die Betriebsabgänge steigen, die Einnahmen sinken. Weil man im medizinischen Inselreich lieber auf sich selbst und nicht gemeinsam auf Kosten, Betten oder teure Einrichtungen schaut.

Synergien sind beliebte Fremdwörter der Spitalsmanager in den Gemeindestuben. Doch das berühmte Kirchturmdenken wird zum politischen Luxus der Dorfkaiser und ist angesichts der leeren Kassen nicht mehr zu finanzieren. Nur in einer Landesholding können medizinische Eitelkeiten wirklich abgebaut und sinnvolle Kooperationen aufgebaut werden. Der befürchtete Betriebsabgang von 34 Millionen Euro dürfte die von Gesundheits-LR Bernhard Tilg forcierte Landesholding jetzt wohl beschleunigen.

Aber das Spitalswesen wird erst der Anfang sein: Bauhöfe, Gewerbegebiete, Feuerwehreinrichtungen oder Schulen müssen kritisch durchleuchtet werden. Vielfach geht es dabei ums Prestige, mit neuen Feuerwehrautos lässt sich in regelmäßigen Abständen schließlich Politik machen. Eine Politik, die zwar Wünsche erfüllt, aber die Gemeindebudgets leert.

Im beginnenden Gemeinderatswahlkampf werden solche Reizthemen zweifelsohne verschwiegen, weil viele wahlwerbende Gruppierungen der Bevölkerung einen noch höheren Kirchturm versprechen. Doch die Türme wackeln bereits und spätestens nach der Wahl ist es wie vor der Wahl:
Die Kassen sind leer.

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