"Kleine Zeitung" Kommentar: "Was der künftige Wissenschaftsminister mitbringen sollte" (Von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 25.01.2010

Graz (OTS) - Egal, wen heute VP-Chef Vizekanzler Josef Pröll
als Wissenschaftsminister nominiert: Ob Mann oder Frau, ob aus den Bundesländern oder aus Wien, ob aus der bisherigen Regierungsmannschaft oder nicht: Die Erwartungen an den neuen Minister sind hoch, ihn oder sie erwarten eine Menge offener Punkte.

Die universitäre Landschaft ist unglaublich vielfältig, es wachsen in ihr von akademischen Mimosen über introvertierte Forscher bis hin zu schillernden Persönlichkeiten viele bunte Gewächse. Eine unruhige Jugend mit zum Teil drückenden Studienbedingungen und schlechten Zukunftsaussichten ist kein Publikum, das leicht zu unterhalten ist. Im Gegenteil: Unbedachte Worte können binnen weniger Tage dazu führen, dass die Studierenden ihre Muskeln spielen lassen. Zugleich steht der Sektor wie kein zweiter in einem internationalen Wettbewerb.

Von einem zukünftigen Minister erwartet man sich, dass er etwas von der Sache versteht und sich in den akademischen Hallen entsprechend bewegen kann. Polternde PR-Auftritte mit wenig Substanz dahinter sind jedenfalls nicht gefragt.

Nur dann erscheint ein Minister geeignet, jene Probleme zu erkennen, die die Unis quälen: Wie geht es mit dem tertiären Sektor weiter -Stichworte sind Bachelor-Ausbildung, Zugangsbeschränkungen, Studienwildwuchs, Exzellenz-Initiativen, Mitbestimmung. Nötig sind Augenmaß und Verständnis für die unterschiedlichen Interessenslagen vom Medizin-Studenten bis zum Maschinenbau-Professor, vom Lektor am Dolmetschinstitut bis zum Gesangsstudenten an der Kunst-Uni. Wichtiges Detail: Die Chemie zur Bildungsministerin sollte stimmen.

Noch entscheidender aus Sicht der Universitäten und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist aber, dass der neue Minister nicht kraftlos daherkommt. Entscheidend ist, dass er in der Partei fest verankert ist, um mit Nachdruck mehr Gelder für Forschung und Lehre herausholen zu können. Denn der Anteil der Studenten steigt - und das soll auch so sein in einem Land wie Österreich. Das erfordert überproportionale Budgetzuwächse, und dies vor einem Hintergrund einer alternden Bevölkerung, die tendenziell die Staatsausgaben weg von den Jungen umverteilt.

Und nicht zuletzt: Der neue Minister muss sein Ministerium auf Vordermann bringen. In den Beamtenrängen begnügt man sich derzeit mit brav-penibler, bürokratischer Mängelverwaltung, anstatt strategisch zu denken und langfristig Weichen für die Zukunft zu stellen. ****

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