Greenpeace deckt auf: Industriellenvereinigung will CO2-Endlager

CO2-Deponien können das Leben von Mensch und Tier gefährden

Wien (OTS) - Greenpeace übt massive Kritik an den Plänen der Industriellenvereinigung, CO2 aus Industrie-Abgasen abzuscheiden und in ausgedienten Erdöl- und Erdgasfeldern entsorgen zu wollen. Das geht aus den Vorschlägen zur österreichischen Energiestrategie 2020 hervor, die im Februar veröffentlicht werden soll. Die CO2-Endlager, auch bekannt als "Carbon Capture and Sequestration" (CCS), sind aufgrund fehlender Untersuchungen bislang als Risikotechnologie einzustufen. Deshalb lehnt Greenpeace diese Art der Entsorgung von CO2 ab. "Diese Risikotechnologie hat in einer Energiestrategie nichts verloren. Wir fordern die zuständigen Minister für Umwelt bzw. Wirtschaft Berlakovich und Mitterlehner dazu auf, den CO2-Endlagern eine klare Absage zu erteilen", appelliert Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.

Niemand kann abschätzen, ob und wie dicht die Endlagerstätten letztendlich sein werden. Sollte CO2 in großer Menge austreten, sind die Folgen katastrophal. Im Jahr 1986 kam es in Kamerun zu einem Drama, als aus einem See große Mengen an natürlich gespeichertem Kohlendioxid aufstiegen. Rund 1.700 Menschen und alle Tiere in der Umgebung erstickten binnen weniger Minuten. "In Österreich lernt schon jedes Kind in der Schule, dass Winzer nur mit einer Kerze in den Weinkeller gehen", kritisiert Westerhof. "Kommt es bei so einem Endlager zu einem Unfall, stehen viele Menschenleben auf dem Spiel."

Nun soll festgestellt werden, wo in Österreich Endlager für Kohlendioxid geschaffen werden können. Greenpeace-Untersuchungen zeigen, dass vor allem leere Öl- und Gasfelder im Weinviertel und Teilen Oberösterreichs in Frage kommen (siehe:
http://www.greenpeace.at/ccs-oesterreich).

Die Risikotechnologie CCS wirft viele Fragen auf. Es geht schließlich nicht darum, das Gas für einige Jahrzehnte zu lagern, sondern für immer. Das stellt hohe Ansprüche an die Lagerstätten, denn die Risiken sind bisher nicht geklärt. "Es erinnert stark an das Thema Atommülllagerung", so Westerhof. "Keiner weiß, wie groß die Risiken sind und zahlreiche Fragen sind unbeantwortet. Die Verantwortung dafür wird auf die nächsten Generationen abgewälzt."

CCS ist mit hohen Kosten verbunden. Einer Studie der Universität Harvard zufolge kommt eine Tonne abgeschiedenes CO2 auf mehr als 100 Euro. Damit sind die CO2-Vermeidungskosten viel höher als etwa durch Wärmedämmung oder durch die Errichtung von Windrädern. "Mit CCS das Klima zu schützen, ist in etwa so sinnvoll, wie die Raumtemperatur zu regeln, indem man bei laufender Heizung das Fenster öffnet. Denn, um das von vier Kohlekraftwerken produzierte CO2 abscheiden zu können, benötigt man die gesamte Energie eines fünften Kohlekraftwerkes", empört sich Westerhof.

Daher lehnt Greenpeace die Pläne ab. " Wir sind schockiert, dass sich CO2-Endlager unter den Vorschlägen für die Energiestrategie finden. Noch mehr schockiert uns allerdings, dass für diese Technologie Steuergeld verschwendet werden soll", so Westerhof. "In einer verantwortlichen, kosteneffizienten und realistischen Energie-und Klimapolitik gibt es keinen Platz für neue Risikotechnologien. Wir verlangen daher, dass in Österreich keine CO2-Endlager errichtet werden. Die Technologie darf nicht in die Energiestrategie aufgenommen werden, sie muss vielmehr verboten werden", so Westerhof abschließend.

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Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof, Greenpeace-Energiesprecher
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Melanie Beran, Greenpeace-Pressesprecherin, Tel.:+43 664 612 67 18

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