"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nachdenken darf nicht verboten sein" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 23. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Die Verweigerung einer anständigen Diskussion über ein Asylwerber-Zentrum in Tirol ist beschämend.

Die Tiroler Landesregierung hat sich bei ihrer Regierungsklausur im Wipptal auf die großen Themen des laufenden Jahres verständigt. Arbeit und Wirtschaft, Wohnbauförderung, die Gründung einer Zukunftsholding oder der Ausbau bzw. die Förderung alternativer Energieformen stehen heuer ganz oben auf der Liste.
Nicht nur die Tatsache, dass sich die Regierungsmitglieder auf diese Themen geeinigt haben, sorgt rundum für zustimmendes Kopfnicken. Auch das "Wie" lässt kaum Raum für Spekulationen. Weit mehr als früher tritt diese Regierung als geschlossene Mannschaft auf, als eingeschworenes Team mit einem unumstrittenen Kapitän, aber ohne Stars.

Auch wenn die Opposition kein gutes Haar am Kuschelkurs im Landhaus lässt: Die Tiroler Bevölkerung schätzt diesen neuen Zusammenhalt, das hat zuletzt auch die TT-Umfrage zum Jahreswechsel gezeigt. In wirtschaftlich schlechten Zeiten sehnen sich die Menschen nach Führungsstärke - und die legen Günther Platter und Co. zweifelsfrei an den Tag.

Selten driften die Meinungen öffentlich auseinander wie kürzlich bei der Frage, ob das Tiroler Asylboot nun randvoll oder doch nicht so voll ist. LH Günther Platter (VP) und sein SP-Vize Hannes Gschwentner ruderten kräftig zurück, nachdem SP-Sozialreferent Günther Reheis zuvor durchaus Verhandlungsbereitschaft gezeigt hatte. Bei diesem speziellen Thema entpuppt sich der Wunsch nach Einheitlichkeit zum Hemmschuh für an sich notwendige Maßnahmen.
In Wahrheit ist es beschämend, dass sich auch die Tiroler bei der Suche nach einem zusätzlichen Standort für ein Asylwerber-Erstaufnahmezentrum auf den Standpunkt anderer Bundesländer stellen: Überall, nur bei uns sicher nicht! Zumindest angestrengt darüber nachdenken wird man wohl auch in Tirol dürfen. Eigentlich müssen!

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