Hilfe in Haiti: "Professionell, schnell, und unbürokratisch"

Hilfswerk Austria International-Programmdirektor berichtet von seiner ersten Woche in Port-au-Prince

Wien (OTS/HWA) - "In den Camps, die wir betreuen, fehlte es
anfangs an allem. Es gab kein Wasser, es gab kein Essen, es gab keine Hoffnung", berichtet Fredy Rivera, Programmdirektor von Hilfswerk Austria International (HWA). "Die Situation war chaotisch, die Menschen waren panisch, hungrig und durstig. Sie wollten einfach überleben. Die, die Familienmitglieder in den Provinzen haben, sind geflüchtet. Sie nahmen einfach das Notwendigste und machten sich auf den Weg."

Rivera ist seit vielen Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit und in der Katastrophenhilfe tätig und hat in seiner Funktion schon einiges erlebt. "Aber das hier ist anders. Ganz anders. Es gibt überhaupt keine Strukturen, auf die man zurückgreifen könnte", so Rivera. Andererseits sei ein Versagen nicht denkbar: "Viele Kinder sind krank. Unzählige Menschen kommen mit Verletzungen. Unsere Ärztinnen, unsere Krankenschwestern - obwohl sie selbst verletzt sind und tote Angehörige haben - sind seit der ersten Stunde dabei, Leute zu retten und zu heilen." In der höchsten Verzweiflung schöpften die Menschen doch wieder Kraft: "Eine junge Mutter - Emmanuelle - sagte mir: "Ich habe nur die Beine von meinem Mädchen befreien können. Ich will nicht, dass meine zweite Tochter an Durst und Hunger stirbt." Solche Schicksale seien im Katastrophengebiet allgegenwärtig.

Hilfswerk Austria International arbeitet in den acht Gesundheitsposten seiner lokalen Partnerorganisation CDS (Centres pour le Development at la Santé) in Port au Prince, Carrefour und Jacmel - "professionell, schnell, und unbürokratisch", beschreibt Rivera den Zugang der Organisation. Die Maßnahmen erfolgen in den Camps Petite Place Cazeau und La Saline. Diese liegen in Cazeau mit einem Einzugsgebiet von 25.000 Personen und in La Saline mit einem Einzugsgebiet von 30.000 Personen. Es handelt sich um die beiden ärmsten Bezirke von Port au Prince. Hier sind auch die meisten Opfer zu beklagen. Koordiniert werden die HWA-Hilfsmaßnahmen von den Gesundheitszentren der lokalen Partnerorganisation. Von beiden Zentren aus werden mehrere Tausend Menschen mit dem Notwendigsten -Medikamenten und Nahrungsmitteln - versorgt. An Medikamenten werden Antibiotika, Schmerzmedikamente, Anästhesie-Mittel, fiebersenkende Medikamente, Material für kleine chirurgische Eingriffe, Desinfektionsmittel, Chlortabletten und Hygienematerial verteilt. Bei Nahrungsmitteln hilft das HWA unter Riveras Koordination mit Reis, Bohnen, Dosen (Thunfisch und Sardinen), Spaghetti, Öl, Salz, Pulvermilch und Wasserflaschen. Geplant ist auf diesem Weg vorerst die Versorgung von 10.000 Personen in den nächsten Monaten. In Vorbereitung sind mobile Kliniken mit OP-Containern, der Wiederaufbau von Infrastruktur, Kliniken, Häusern und Schulen.

Am schwierigsten seien für ihn die Nächte, erzählt Rivera - auch wenn an Schlaf oft nicht zu denken sei, und wenn, dann nur für zwei, drei Stunden. "Es kommen einem dann einfach zu viele Bilder in den Kopf", meint Rivera. "Immer, wenn ich mich kurz hinlege, denke ich an die vielen Kinder, Frauen und älteren Menschen, die auf der Straße schlafen. Alle schlafen ja draußen, wir auch." Die Angst vor Nachbeben sei ständig da. "Am Mittwoch (20.1.) gingen wir zum Auto, um ein bisschen Schutz zu finden. Um 6 Uhr, als ich aus dem Auto ausgestiegen bin, fing die Erde wieder zu beben an. Viele bereits beschädigte Häuser sind eingestürzt. Drei Polizisten, die dabei waren, ihre toten Verwandten aus den Ruinen herauszuholen, sind dabei ums Leben gekommen."

Fredy Rivera hat eine Botschaft an die Österreicherinnen und Österreicher, die in gewohnter Hilfsbereitschaft die Opfer der Erdbebenkatastrophe unterstützen: "Vielen Dank für die Spenden, die Bemühungen und Anstrengungen. Bitte glauben Sie mir: Es lohnt sich. Die Haitianer verdienen es sich."

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/403

Rückfragen & Kontakt:

Hilfswerk Austria International, Edith Hütthaler, Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 01/405 75 00-14, mailto: edith.huetthaler@hwa.or.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HLW0001