- 21.01.2010, 09:57:42
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Allmähliche Erholung nach schwerer Rezession
Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2014
Wien (OTS) - Nach der schwersten Rezession seit den 1930er-Jahren
wird das Bruttoinlandsprodukt in Österreich von 2010 bis 2014 real um
durchschnittlich 1,8% pro Jahr zunehmen. Aufgrund der Nachwirkungen
der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wird das Wachstum jährlich um
knapp 3/4 Prozentpunkte geringer ausfallen als im Durchschnitt des
letzten Jahrzehnts vor der Wirtschaftskrise 2008/09. Der
Wachstumsvorsprung gegenüber dem Durchschnitt des Euro-Raumes
verringert sich deutlich, auch weil die Dynamik der Exporte nach
Ostmitteleuropa schwach bleiben dürfte und der Finanzsektor weiterhin
fragil ist. Vor allem auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen
Haushalte wirkt die Rezession noch länger nach, die Inflation wird
dagegen niedrig bleiben. Ab dem Jahr 2011 werden Maßnahmen zur
Konsolidierung der öffentlichen Haushalte die gesamtwirtschaftliche
Nachfrage dämpfen, aber eine Senkung des Budgetdefizits bewirken.
Die internationale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise löste in
Österreich Ende 2008 die schwerste Rezession seit den 1930er-Jahren
aus. Wie die empirische Evidenz zeigt, erholt sich die Wirtschaft
nach einer Finanzmarktkrise und einer weltweiten Rezession nur sehr
langsam. Getragen von der sehr expansiven Geld- und Fiskalpolitik in
den großen Wirtschaftsräumen trat Mitte 2009 eine Trendwende ein; ab
2010 wird mit einer Erholung gerechnet. Die öster-reichische
Wirtschaft wird von 2010 bis 2014 mit +1,8% pro Jahr um 3/4
Prozentpunkte langsa-mer expandieren als in den 10 Jahren vor der
Wirtschaftskrise 2009 (+2 1/2 % p. a.) (1). Selbst in den besten
Jahren des Prognosezeitraumes (2012 bis 2014) wird das BIP-Wachstum
nicht an diesen Durchschnittswert heranreichen. Die Weltwirtschaft
wird die Folgen der Finanzmarktkrise nur allmählich überwinden, die
Vergabe von Risikokapital für Unternehmen sowie die Kreditversorgung
des privaten Sektors zur Finanzierung von Ausrüstungs- und
Bauinvestitionen und Konsum bleiben restriktiv. Das Wachstum des
Potentialoutputs wird nicht mehr so hoch sein wie in der
Vergangenheit. Der Wachstumsvorsprung Österreichs gegenüber dem
Durchschnitt des Euro-Raumes wird geringer, nicht zuletzt da die
Exporte nach Ostmitteleuropa an Dynamik verlieren dürften.
(1) Die Wachstumsprognose für die Jahre 2010 und 2011 entspricht
der kurzfristigen WIFO-Prognose vom Dezember 2009. Für die
folgenden Jahre wurden mittelfristige Trends geschätzt.Die österreichische Wirtschaftspolitik wirkte den Auswirkungen der
internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise mit einer
vorgezogenen Steuerreform, zwei Konjunktur- und zwei
Arbeitsmarktpaketen entgegen. Da manche der größeren Bauprojekte 2009
noch nicht umgesetzt werden konnten, sollte ihre Wirkung im Jahr 2010
zum Tragen kommen und damit den Aufschwung unterstützen. Die
österreichische Wirtschaft profitierte auch von den
Kon-junkturbelebungsmaßnahmen, die im Rahmen des "European Economic
Recovery Plan (EERP)" von den EU-Nachbarländern und den anderen
bedeutenden Handelspartnern (Schweiz und USA) getätigt wurden. Diese
Rückwirkungen sind nach WIFO-Schätzungen in etwa gleich hoch wie jene
Maßnahmen, die die österreichische Bundesregierung (ein-schließlich
staatsnaher Unternehmen) selbst getätigt hat.
Die durch Sonderfaktoren und wirtschaftspolitische Maßnahmen
begünstigte Entwicklung der verfügbaren realen Haushaltseinkommen
(Steuerreform, niedrige Inflation, hohe Lohn-abschlüsse im Jahr 2008,
Ausweitung der Transfereinkommen) ermöglichte im Jahr 2009 in
Österreich, im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern des
Euro-Raumes, eine Zunahme des privaten Konsums (+1/2 %). Jedoch floss
ein größerer Teil des Einkommensanstiegs als in den letzten Jahren in
die Ersparnisse. Für den Prognosezeitraum 2010/2014 wird mit einem
Konsumwachstum von 1% gerechnet, das um knapp 1/2 Prozentpunkt
niedriger ist als in der Fünfjahresperiode vor der Krise. Dabei wird
unterstellt, dass die Sparquote der privaten Haushalte wieder
kontinuierlich zurückgeht.
Der reale Außenbeitrag wird im Prognosezeitraum dem
Wirtschaftswachstum Impulse geben. Der Exportprognose liegt die
Einschätzung zugrunde, dass die Weltwirtschaft die
real-wirtschaftlichen Folgen der Finanzmarktkrise allmählich
überwindet und im Jahr 2010, getra-gen von den weltweiten
Konjunkturprogrammen und niedrigen Zinssätzen, eine Erholung
einsetzt. Die Belebung des Welthandels bewirkt eine Zunahme der
österreichischen Exporte um durchschnittlich 5 1/2 % pro Jahr, um
knapp 1 Prozentpunkt weniger als in den zehn Jahren vor der Krise.
Das Anspringen der Exportkonjunktur wird im Jahr 2010 aufgrund der
sehr geringen Kapazitätsauslastung noch keine Belebung der
Investitionstätigkeit auslösen. Über den gesamten Prognosezeitraum
sollten die Investitionen um durchschnittlich 2% p. a. zunehmen.
Rezessionsbedingt erreichte die Arbeitslosigkeit 2009 das höchste
Niveau seit Mitte der 1950er-Jahre. Die Ausweitung der Möglichkeiten
zur Inanspruchnahme von Kurzarbeit, Schulungen und Bildungskarenz
bremste den Anstieg der Arbeitslosenzahl im Jahr 2009 zwar um etwa
13.000, die Arbeitslosigkeit wird aber eine zentrale
wirtschaftspolitische Herausforderung der kommenden Jahre bleiben.
Die Zahl der registrierten Arbeitslosen dürfte von 2008 bis 2014 um
gut 90.000 auf über 300.000 steigen. Im Durchschnitt der Jahre 2010
bis 2014 dürfte die Arbeitslosenquote (laut AMS-Definition) 8,1%
erreichen. Im Falle einer ungünstigeren Entwicklung der Wirtschaft
würde die Arbeitslosigkeit jedoch noch stärker wachsen. Die
Beschäftigung wird in den Jahren 2010 bis 2014 um 0,4% pro Jahr
zunehmen, die Vollzeitbe-schäftigung dürfte aber erst gegen Ende der
Prognoseperiode stärker ausgeweitet werden. Der freie Zustrom von
Fachkräften aus den neuen EU-Ländern seit dem Jahr 2009 und das Ende
der Übergangsfristen im Jahr 2011 werden die Pendler- und
Zuwanderungsströme er-höhen. In erster Linie hängt das Ausmaß dieser
Wanderungsbewegungen aber von der hei-mischen Nachfrage nach
Arbeitskräften ab.
Die Dämpfung der Staatseinnahmen durch die Krise und die
Steuerreform sowie die rezessi-onsbedingte Ausweitung der
Staatsausgaben werden das Defizit der öffentlichen Haushalte 2010 auf
5 1/4 % des BIP steigen lassen. Neben der Verbesserung durch die
Konjunkturerholung müssen Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung
ergriffen werden, falls die Defizitquote bis zum Jahr 2014 wieder auf
unter 3% des BIP gesenkt werden soll.
Nach dem Preisverfall von Mitte 2008 bis ins I. Quartal 2009
kehrte sich der Trend auf den internationalen Rohstoffmärkten um.
Auch in den kommenden Jahren werden die Rohöl- und Rohstoffpreise
anziehen. Die Prognose nimmt einen Anstieg des Rohölpreises mit der
Erholung der Weltkonjunktur von 60 $ je Barrel im Jahr 2009 auf 100 $
im Jahr 2014 an. Von inländischen Faktoren werden in den kommenden
Jahren kaum inflationäre Effekte ausgehen. Im Zeitraum 2010 bis 2014
dürfte die Inflationsrate in Österreich durchschnittlich 1 1/2 %
betragen.
Die in der vorliegenden Prognose unterstellte Erholung der
Wirtschaft hängt wesentlich von der Verbesserung der internationalen
Konjunktur ab. Sollte sich diese nicht im erwarteten Ausmaß
einstellen, würde das auch die Belebung in Österreich
beeinträchtigen. Ebenso ist die Stabilisierung der Finanzmärkte und
des Bankensystems noch fragil. Das starke Engagement der
österreichischen Banken in Ostmitteleuropa und Südosteuropa birgt
hier noch be-trächtliche Risken.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2010,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=38125&typeid=8&d
isplay_mode=2
Tabellen und Graphiken zu den Presseaussendungen des WIFO finden
Sie jeweils auf der WIFO-Website,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12
Rückfragehinweis:
Mag. Josef Baumgartner, Tel. (1) 798 26 01/323, [email protected] Priv.-Doz. Mag. Dr. Serguei Kaniovski Tel (1) 798 26 01/231, [email protected] apl. Prof. Dr. Hans Pitlik Tel (1) 798 26 01/240, [email protected]
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235
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