WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Wirtschaft braucht keine Scheuklappen - von Esther Mitterstieler

Ausländer sind nicht gleich Ausländer - das ist schlecht

Wien (OTS) - Anna Netrebko ist vom Glück gesegnet: Mit ihrer goldenen Kehle hat sich die Russin die österreichische Staatsbürgerschaft ersungen, notabene nicht erkauft. Dabei spricht sie gar nicht Deutsch. Dass man in Kärnten anscheinend im Gegenzug zu millionenträchtigen Investments und einer erklecklichen Parteienspende einen österreichischen Reisepass bekommen kann, muss noch bewiesen werden.

Allein die Diskussion ist ein Wahnsinn. Deutsch scheint auch hier keine Voraussetzung zu sein. Was hat die Staatsbürgerschaft mit der Wirtschaftskraft eines Menschen zu tun? Nichts, sollte man meinen. Gleichwohl gibt es in Österreich - und nicht nur - jede Menge Ausnahmen für Personen, die von "besonderem Staatsinteresse" sind, sprich: Wer gut in Sport, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur ist, tut sich leichter, Österreicher und Europäer zu werden.

So einfach hat es die breite Masse nicht. Im Gegenteil: Sie muss zuerst der deutschen Sprache mächtig sein und darf dann auf Einbürgerung hoffen. Das riecht geradezu nach Zwei-Klassen-Gesellschaft. Okay, in Deutschland, Dänemark oder den Niederlanden ist man auf ähnlich restriktivem Kurs unterwegs, von Italien ganz zu schweigen. Dabei belegen hierzulande Zahlen der Sozialversicherung, dass die an den Pranger gestellten Ausländer keineswegs mehr aus dem Topf ausbezahlt bekommen als sie einzahlen. Österreich, die genannten Länder, die EU insgesamt, sollte(n) sich auf genau die Werte besinnen, deren Annahme sie von Ausländern zu Recht fordern. Gleichzeitig sollten wir uns bewusst machen, worauf unsere Wertegesellschaft baut. Denn sie ist zugleich Basis unseres Wohlstandes. Die österreichische Exportquote der vergangenen Jahre spricht für sich: von 28,5 Prozent des BIP 1997 kletterte sie bis 2008 auf 41,6 Prozent. Es ist schon fast natürlich, dass Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung seit Jahren die Öffnung des Arbeitsmarktes fordern und hier weit offener als Gewerkschaft und Arbeiterkammer sind.

Es darf keine Frage der Ideologie sein, Menschen zu integrieren und Arbeit zu geben. Sehr wohl ist es eine Frage der Qualifikation, diese muss ein Staat auch über die Ausbildung unterstützen. Der Papierriese Mondi hat seit Jahren einen Betriebskindergarten. Das ist ein effektiver Weg der Integration: Die Kinder jener, die heute noch schlecht Deutsch sprechen, erlernen automatisch Werte und Sprache der neuen Heimat. Wir brauchen nicht nur die Kameliendame aus "La Traviata". Auch das macht eine moderne Gesellschaft und Volkswirtschaft aus.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001