Praktiker am Wort

Der zweite Tag des ÖHV-Hotelierkongresses startete mit spannenden Impulsvorträgen aus der touristischen Praxis. Die Branche setzte mit neuen Konzepten einen deutlichen Akzent

Zell am See (TP/OTS) - Mit rund 560 Teilnehmern findet derzeit ein ausgezeichnet besuchter ÖHV-Hotelierkongress in Zell am See statt. In seinem Eröffnungsstatement zum zweiten Kongresstag konnte ÖHV-Generalsekretär Thomas Reisenzahn berichten, dass die neue ÖHV-Bewertungsplattform www.bankencheck.at bereits zahlreiche Zugriffe verzeichnet. Moderator Tarek Leitner präsentierte unter anderem eine Umfrage, die die Österreichische Hoteliervereinigung während des Kongresses unter den Gästen durchgeführt hatte: demnach sind 48 % der Kongressteilnehmer mit dem aktuellen Saisonverlauf sehr zufrieden, allerdings gaben deutlich mehr als 30 % auch an, am Saisonbeginn die Preise gesenkt zu haben. 66 % der Hoteliers planen derzeit Investitionen, aber 27 % erachten ihre Kreditkonditionen als unattraktiv und bei 38 % wurde in die bestehenden Kreditverträge eingegriffen.

Small is beautiful - professionell schrumpfen

"Wir vergessen gerne, dass ein Hotel eigentlich eine Immobilie ist und bleibt, und die Kosten für diese Immobilie sind nur sehr bedingt beeinflussbar", meinte Martina Fidlschuster von der HOTOUR Unternehmensberatung in Frankfurt in ihrem Fachvortrag. Was in der Vergangenheit im Tourismus gebaut wurde, stimme nicht immer mit dem überein, was in Zukunft an neuen Konzepten gebraucht werde. Fidlschuster wies nachdrücklich darauf hin, dass die Zimmerpreis-Erhöhungen der letzten Jahre durch Inflation aufgefressen wurden und dadurch die Margen sinken. Durch teure Infrastrukturen nehme die Kapitalbindung zu, weshalb häufig der finanzielle Spielraum für künftige Investitionen fehle. Dazu kommt der demografische Wandel der nächsten Jahre, der vor allem einen Mangel an jungen Mitarbeitern und damit starken Einfluss auf die Personalkosten mit sich bringt. "Machen wir uns im Tourismus durchaus einmal mit dem Gedanken vertraut, dass man Immobilie und Betrieb trennen kann", so der klare Ansatz der Unternehmensberaterin. In der Schweiz würden Destinationsgesellschaften wie die Weiße Arena bereits Hotels kaufen und diese an die Hoteliers zurückvermieten. Fidlschuster stellte nicht nur laufende Betriebsgrößenorientierung sondern auch die damit verbundene "Hardware-Schlacht" in Frage und regte an, Serviceleistungen auch außer Haus zu vergeben, vorausgesetzt, man könne sich vom traditionellen Besitzstandsdenken trennen. Clevere Konzepte, die Immobilien- und Personalkosten reduzieren, sind gefragt, so ihr Resümee, denn gesundes Wachstum brauche nicht immer größere Mengen derselben Zutaten sondern vor allem bessere Rezepte.

Gute Strategien als Wegweiser in der Krise

Einen völlig anderen Ansatz präsentierte Dr. Christian Harisch (Harisch Hotels Kitzbühel), der das Alleinstellungsmerkmal der österreichischen Hotellerie vor allem in Qualität und persönlicher Dienstleistung sieht. "Man muss sich spezialisieren und im Produkt stark bleiben", so Harisch in seinem deutlichen Bekenntnis zu hochwertigen Urlaubsprodukten. Am Beispiel der Stadthotellerie zeigte er auf, dass der wachsenden Konkurrenz durch Low Budget Produkte nicht dadurch zu begegnen sei, dass man das eigene Haus durch Niedrigpreisprodukte entwerte. Vielmehr müsse sich die Branche dafür einsetzen, dass der Unternehmer vom Staat Ernst genommen werde, und sich die Lobby nicht der Hoteliers der Lobby der Banken unterwerfen müsse. "Es geht um das Überleben in strukturschwachen Gebieten", so Harischs sehr emotionaler Appell, "der Tourismus wird in seiner Bedeutung politisch immer noch unterschätzt." In ihrem Vortrag "best case - worst case" gingen Martina Wiesinger-Grabmer (Controlling Service GmbH Villach) und Mag. (FH) Martin Schaffer (Kohl & Partner) auf Maßnahmen ein, die die Produktivität im Hotelbetrieb steigern. In einem sehr einfachen Beispiel zeigten die Berater auf, dass ein Plus von fünf Prozent bei den Umsätzen ein Plus von 16 % beim GOP (Gross Operating Profit, Betriebsergebnis vor Abschreibungen) bedeutet; ein Minus von 15 % bei den Umsätzen hingegen ein Minus von 32 % beim GOP. Was aber macht der Hotelier im Worst Case? "Kontakt zur Bank aufnehmen, Produktivität steigern und natürlich auch sparen", so Wiesinger-Grabmer. Haben die Hoteliers ihre Kosten gut im Griff, kann umsatzseitig immer noch verbessert werden. Tägliche Messungen der Produktivität (beispielsweise Anfragebeantwortung durch das Back Office) können hier unterstützen. Die Berater ermutigten die Teilnehmer auch zu Preisstabilität: "Der Gast ist bereit für gute Qualität zu bezahlen."

400.000 Euro Wertschöpfung für die Region

Top-Referenten und ein attraktives Rahmenprogramm machen den ÖHV-Hotelierkongress zu dem Branchenevent schlechthin: Die Veranstalterregion kann mit 1.550 zusätzlichen Nächtigungen durch rund 560 Hoteliers, Touristiker und Partnerunternehmer, Journalisten, Referenten und Politiker rechnen. Die Region profitiert von einer zusätzlichen direkten Wertschöpfung in der Höhe von rund 400.000 Euro.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5473

Rückfragen & Kontakt:

Martin Stanits
Tel: 0664/516 08 31
Fax: 01/533 70 71
Email: office@oehv.at, www.oehv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | TPK0007