• 20.01.2010, 13:57:48
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Praktiker am Wort

Der zweite Tag des ÖHV-Hotelierkongresses startete mit spannenden Impulsvorträgen aus der touristischen Praxis. Die Branche setzte mit neuen Konzepten einen deutlichen Akzent

Zell am See (TP/OTS) - Mit rund 560 Teilnehmern findet derzeit ein
ausgezeichnet besuchter ÖHV-Hotelierkongress in Zell am See statt. In
seinem Eröffnungsstatement zum zweiten Kongresstag konnte
ÖHV-Generalsekretär Thomas Reisenzahn berichten, dass die neue
ÖHV-Bewertungsplattform www.bankencheck.at bereits zahlreiche
Zugriffe verzeichnet. Moderator Tarek Leitner präsentierte unter
anderem eine Umfrage, die die Österreichische Hoteliervereinigung
während des Kongresses unter den Gästen durchgeführt hatte: demnach
sind 48 % der Kongressteilnehmer mit dem aktuellen Saisonverlauf sehr
zufrieden, allerdings gaben deutlich mehr als 30 % auch an, am
Saisonbeginn die Preise gesenkt zu haben. 66 % der Hoteliers planen
derzeit Investitionen, aber 27 % erachten ihre Kreditkonditionen als
unattraktiv und bei 38 % wurde in die bestehenden Kreditverträge
eingegriffen.

Small is beautiful - professionell schrumpfen

"Wir vergessen gerne, dass ein Hotel eigentlich eine Immobilie ist
und bleibt, und die Kosten für diese Immobilie sind nur sehr bedingt
beeinflussbar", meinte Martina Fidlschuster von der HOTOUR
Unternehmensberatung in Frankfurt in ihrem Fachvortrag. Was in der
Vergangenheit im Tourismus gebaut wurde, stimme nicht immer mit dem
überein, was in Zukunft an neuen Konzepten gebraucht werde.
Fidlschuster wies nachdrücklich darauf hin, dass die
Zimmerpreis-Erhöhungen der letzten Jahre durch Inflation aufgefressen
wurden und dadurch die Margen sinken. Durch teure Infrastrukturen
nehme die Kapitalbindung zu, weshalb häufig der finanzielle Spielraum
für künftige Investitionen fehle. Dazu kommt der demografische Wandel
der nächsten Jahre, der vor allem einen Mangel an jungen Mitarbeitern
und damit starken Einfluss auf die Personalkosten mit sich bringt.
"Machen wir uns im Tourismus durchaus einmal mit dem Gedanken
vertraut, dass man Immobilie und Betrieb trennen kann", so der klare
Ansatz der Unternehmensberaterin. In der Schweiz würden
Destinationsgesellschaften wie die Weiße Arena bereits Hotels kaufen
und diese an die Hoteliers zurückvermieten. Fidlschuster stellte
nicht nur laufende Betriebsgrößenorientierung sondern auch die damit
verbundene "Hardware-Schlacht" in Frage und regte an,
Serviceleistungen auch außer Haus zu vergeben, vorausgesetzt, man
könne sich vom traditionellen Besitzstandsdenken trennen. Clevere
Konzepte, die Immobilien- und Personalkosten reduzieren, sind
gefragt, so ihr Resümee, denn gesundes Wachstum brauche nicht immer
größere Mengen derselben Zutaten sondern vor allem bessere Rezepte.

Gute Strategien als Wegweiser in der Krise

Einen völlig anderen Ansatz präsentierte Dr. Christian Harisch
(Harisch Hotels Kitzbühel), der das Alleinstellungsmerkmal der
österreichischen Hotellerie vor allem in Qualität und persönlicher
Dienstleistung sieht. "Man muss sich spezialisieren und im Produkt
stark bleiben", so Harisch in seinem deutlichen Bekenntnis zu
hochwertigen Urlaubsprodukten. Am Beispiel der Stadthotellerie zeigte
er auf, dass der wachsenden Konkurrenz durch Low Budget Produkte
nicht dadurch zu begegnen sei, dass man das eigene Haus durch
Niedrigpreisprodukte entwerte. Vielmehr müsse sich die Branche dafür
einsetzen, dass der Unternehmer vom Staat Ernst genommen werde, und
sich die Lobby nicht der Hoteliers der Lobby der Banken unterwerfen
müsse. "Es geht um das Überleben in strukturschwachen Gebieten", so
Harischs sehr emotionaler Appell, "der Tourismus wird in seiner
Bedeutung politisch immer noch unterschätzt." In ihrem Vortrag "best
case - worst case" gingen Martina Wiesinger-Grabmer (Controlling
Service GmbH Villach) und Mag. (FH) Martin Schaffer (Kohl & Partner)
auf Maßnahmen ein, die die Produktivität im Hotelbetrieb steigern. In
einem sehr einfachen Beispiel zeigten die Berater auf, dass ein Plus
von fünf Prozent bei den Umsätzen ein Plus von 16 % beim GOP (Gross
Operating Profit, Betriebsergebnis vor Abschreibungen) bedeutet; ein
Minus von 15 % bei den Umsätzen hingegen ein Minus von 32 % beim GOP.
Was aber macht der Hotelier im Worst Case? "Kontakt zur Bank
aufnehmen, Produktivität steigern und natürlich auch sparen", so
Wiesinger-Grabmer. Haben die Hoteliers ihre Kosten gut im Griff, kann
umsatzseitig immer noch verbessert werden. Tägliche Messungen der
Produktivität (beispielsweise Anfragebeantwortung durch das Back
Office) können hier unterstützen. Die Berater ermutigten die
Teilnehmer auch zu Preisstabilität: "Der Gast ist bereit für gute
Qualität zu bezahlen."

400.000 Euro Wertschöpfung für die Region

Top-Referenten und ein attraktives Rahmenprogramm machen den
ÖHV-Hotelierkongress zu dem Branchenevent schlechthin: Die
Veranstalterregion kann mit 1.550 zusätzlichen Nächtigungen durch
rund 560 Hoteliers, Touristiker und Partnerunternehmer, Journalisten,
Referenten und Politiker rechnen. Die Region profitiert von einer
zusätzlichen direkten Wertschöpfung in der Höhe von rund 400.000
Euro.

Rückfragehinweis:
Martin Stanits
Tel: 0664/516 08 31
Fax: 01/533 70 71
Email: office@oehv.at, www.oehv.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5473

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