Vbgm. StR Ludwig: Eröffnung des Gemeindebau-Museums in Rudolfsheim-Fünfhaus

Die museale Wohnung in der Rauchfangkehrergasse lässt ein Stück Architekturgeschichte Wiens der Zwischenkriegszeit hautnah erleben.

Wien (OTS) - In einer der 33 ArbeiterInnenwohnungen des
Gemeindebaus Rauchfangkehrergasse 26 im 15. Wiener Bezirk ist sehr viel ihrer ursprünglichen Ausstattung seit der Errichtung im Jahr 1925 erhalten geblieben. In den vergangenen sieben Jahren wurde diese von "Zeit!Raum - Verein für soziokulturelle Arbeit", der die Wohnung verwaltet, unter der wissenschaftlichen Leitung des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung aufwändig saniert und konserviert. Dieses architektonische Juwel wurde heute, Mittwoch, als Wohnungsmuseum von Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Dr. Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal und Reinhold Eckhardt, Geschäftsführer von "Zeit!Raum", eröffnet.

Bahnbrechend moderne Planung eines Wohnhauses mit Einbaumöbeln

"Durch die überaus exakte und damals bahnbrechend moderne Planung eines Wohnhauses mit Einbaumöbeln wurde es bereits vor über acht Jahrzehnten einer Familie ermöglicht, auf nur 38 m2 komfortabel zu leben. In diesem Wohnungsmuseum werden die Errungenschaften des kommunalen Wohnbaus des ,Roten Wien` zugänglich gemacht, die bestimmt nicht nur für Planerinnen und Planer und Architekten und Architektinnen interessant sind. Hier können Interessierte ein Stück Architektur- und Zeitgeschichte von Wien hautnah erleben, das besonders anschaulich zeigt, welche Bedeutung leistbarer und qualitätsvoller Wohnraum hat. Ein Umstand, der gerade in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten, wie wir sie auch heute erleben, von besonderer Bedeutung ist. Dieses Beispiel dokumentiert eindrucksvoll die große Innovationskraft, die den sozialen Wohnbau in Wien damals wie heute prägt. Innovative Weiterentwicklungen bilden auch einen wichtigen Grundpfeiler im modernen Wiener Wohnbau der Gegenwart und stellen gleichzeitig einen der entscheidenden Faktoren für die hohe Qualität und die Leistbarkeit des Wohnens dar", so Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Michael Ludwig.
"Mit dem platzsparenden Einrichtungskonzept wurde ein wegweisender und sehr wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Wohnqualität der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Zwischenkriegszeit geleistet. Erfreulich, dass dieser architektonische Meilenstein so gut erhalten ist, ist er doch lebendiges Zeugnis unserer Kulturgeschichte", ergänzte Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal.

Vollständig erhaltener Vorläufer der "Frankfurter Küche"

Die ursprüngliche Möblierung mit Wandverbau, multifunktionaler Küche, in die Wohnung integriertem Müllschlucker und weiteren revolutionären Details bleiben durch die Sanierung der Wohnung erhalten. Die Gesamtkosten betrugen rund 60.000 Euro - der Wiener Altstadterhaltungsfonds (MA 7) übernahm davon 37.000 Euro. "Mit der aufwändigen und detailgetreuen Restaurierung dieser Wohnung ist es gelungen, ein Stück Architektur- und damit auch Kulturgeschichte lebendig zu erhalten", betonte Wiens Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny.

"Besonders sehenswert ist die noch vollständig erhaltene Einbauküche, die auf kleinstem Raum sämtliche Arbeitsabläufe in geringster Zeit ermöglicht und die sich durch einen bis ins Detail durchdachten Funktionalismus auszeichnet. Mit ihr hat sich ein Vorläufer der berühmten ,Frankfurter Küche` erhalten", erklärte Reinhold Eckhardt, Geschäftsführer von "Zeit!Raum". Architekt Anton Brenner (1896-1957) entwarf die Küche gemeinsam mit seiner damaligen Assistentin Margarete Schütte-Lihotzky. Er bewohnte selbst die Wohnung in der Rauchfangkehrergasse mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Im Zuge der Restaurierung wurden Fußböden, Schränke, Schrankwand und Einbauküche konserviert, ein fehlender Gasherd und Blechofen durch vergleichbare Geräte aus jener Zeit ersetzt. Die originale Ausmalung wurde wiederhergestellt und die beweglichen Teile der Einrichtung wurden im Stil der 1920er Jahre vervollständigt.

Bestmögliche Ausnutzung des Wohnraums

Die Wohnungen selbst werden über zwei Stiegen erschlossen, die Geschoße wurden zueinander um je einen Halbstock versetzt. Nicht zuletzt durch diesen Kunstgriff gelang es, den vorhandenen Raum bestmöglich auszunützen. Die Mittelmauer wurde aufgelöst, wodurch Raum für Wandnischen entstand, in denen Klappbetten mit einschwenkbaren Nachttischen mit Lesespots eingebaut waren. Wohn- und Schlafzimmer waren durch eine eingebaute Kastenwand getrennt. Auch der Vorraum mit eingebauten Kleiderablagehaken, Schirmständer und Mottenkammer wurde präzise durchdacht.

Die Wohnhausanlage in der Rauchfangkehrergasse 26 wurde als Eckverbauung konzipiert und umschließt mit den angrenzenden Bauten einen kleinen Innenhof. Die Architektur selbst erinnert wenig an die klassischen Gemeindebauten des "Roten Wien". Die streng gegliederte Fassade, die kubischen Baublöcke und eingeschnittenen Loggien weisen vielmehr eine Verwandtschaft mit der Architektur des "Neuen Bauens" auf. Die Gliederung der Fassade geschieht alleine durch je drei Fenster verbindende Kordongesimse im Parapet-Bereich, dem Wandstück zwischen Fußboden und Fensterunterkante.

Service

Das Gemeindebau-Museum in der Rauchfangkehrergasse können Interessierte nach individueller Terminvereinbarung mit dem Verein "Zeit!Raum" besichtigen.

Zeit!Raum - Verein für soziokulturelle Arbeit
15., Sechshauser Straße 68-70
Tel.: 01/892 74 00
E-Mail: reinhold.eckhardt@zeitraum.org

Fotos von der Eröffnung des Gemeindebau-Museums sind ist in Kürze beim rk-Fotodienst unter http://www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/ abrufbar. (Schluss) kau

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/174

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PID-Rathauskorrespondenz, Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53)
Christian Kaufmann, Mediensprecher Vbgm. StR Dr. Michael Ludwig
Tel.: 01/4000-81277
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