AK ExpertInnen sehen erheblichen Änderungsbedarf bei Verteilungs- und Leistungsgerechtigkeit sowie Transparenz (1)

Wien (OTS) - Anläßlich der heutigen Enquete zur Verteilungs- und Leistungsgerechtigkeit in Österreich orten die ExpertInnen der AK erheblichen Änderungsbedarf bei Verteilungs- und Leistungsgerechtigkeit sowie Transparenzdefizite. Die AK ExpertInnen fordern einen starken Sozialstaat, weil dieser die Voraussetzung für eine sozial faire und ökonomisch sinnvolle Bewältigung der Krise darstellt. Ein starker Sozialstaat ist auch wesentliche Vorausset-zung für die Bewältigung der großen Herausforderungen der Zukunft.

Josef Wöss, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der AK Wien, weist darauf hin, dass Österreich "weit entfernt von Gerechtigkeit" ist.

Weit entfernt von Verteilungsgerechtigkeit
Auf der einen Seite häufen einige wenige riesige Vermögen an -gleichzeitig gibt es 230.000 Beschäftigte, deren Arbeitseinkommen nicht einmal zum Überschreiten der Armutsgrenze reicht.

Weit entfernt von Leistungsgerechtigkeit
Managergagen erreichen astronomische Höhen - gleichzeitig erreichen die Arbeitseinkommen der Hälfte der vollzeitbeschäftigten Arbeiterinnen nicht einmal 1200 Euro netto.

Weit entfernt von Fairness
Bereits ab einem Bruttomonatslohn von 1.200 Euro sind von jedem zusätzlichen Euro 36.5 Prozent Steuern zu zahlen, zusammen mit den Sozialabgaben sind es fast 50% - gleichzeitig verdienen mache z.B. beim Verkauf von Unternehmensanteilen über Stifungskonstruktionen Millionen Euro, ohne dafür auch nur einen Cent Steuern zu zahlen.

Weit entfernt von Transparenz
Zur Verteilung der Arbeitseinkommen und der Sozialleistungen in Arbeitnehmerhaushalten gibt es fundierte und umfassende Studien - zur Verteilung der Vermögen, der Vermögenserträge und der Einkommen der Selbstständigen und Freiberufler gibt es nichts vergleichbares, weil dazu keine bzw. keine aussagekräftigen Daten vorliegen.

Der Sozialstaat ist Garant für eine gerechtere Umverteilung in Österreich. "Wir müssen ihn erhalten und weiterentwickeln", sagt Wöss.

Gerade in Zeiten der Krise ist der Sozialstaat wichtiger denn je:

+ Er bietet den Menschen Schutz z.B. bei Verlust des Arbeitsplatzes, + er verhindert Panikreaktionen (Angstsparen etc.), weil er den Menschen Sicherheit gibt,
+ er stabilisiert die Nachfrage, weil er die Kaufkraft absichert,
+ er belebt den Arbeitsmarkt z.B. durch Investitionen in die soziale Infrastruktur

Ein leistungsstarker und dynamischer Sozialstaat ist aber auch grundlegende Voraussetzung für die Bewältigung der zentralen Herausforderungen der Zukunft:

+ Globalisierung, Ausbreitung prekärer Arbeitsformen, demografischer Wandel, Individualisierung der Lebensformen etc. erfordern einen starken, dynamischen Sozialstaat,
+ er unterstützt die "employability" der ArbeitnehmerInnen und verbessert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
+ er unterstützt den Modernisierungsprozess, in dem er "Sicherheit im Wandel" vermittelt,
+ er schafft Arbeitsplätze durch Investitionen in die soziale Infrastruktur und
+ er bietet auch für die heute Jüngeren die sinnvollste und kostengünstige Form der Absicherung der Großrisiken.

Eine Finanzierung der Krisenkosten zulasten der Sozialbudgets lehnt Wöss daher entschieden ab: "Das würde die bestehenden Ungerechtigkeiten und die Krise verschärfen und die Erholung der Wirtschaft bremsen." Ein starker Sozialstaat wird auch in Zukunft unverzichtbar sein. Er ist der notwendige Rahmen für eine gerechtere Gesellschaft. Sinnvolle Weiterentwicklungsmöglichkeit sieht der AK Experte in einer stärkeren Orientierung am skandinavischen Sozialmodell etwa mittels forciertem Ausbau der sozialen Infrastruktur.

(Forts)

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/26

Rückfragen & Kontakt:

AK Wien Kommunikation
Peter Mitterhuber
Tel.: (+43-1) 501 65-2347
peter.mitterhuber@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0005