WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Osteuropa-Party geht in die nächste Runde - von Robert Lechner

Österreichs Banken stehen vor einem fulminanten Comeback

Wien (OTS) - Der Kater nach der ersten großen Osteuropa-Party, die für Österreichs Banken fast zwei Jahrzehnte dauerte, lässt nach. Das zeigt ein Rundgang im Hotel Hilton in Wien, wo gerade die Crème de la Crème der Branche ihre Zukunft analysiert.

Dass sich die Stimmung aufhellt, ist nachvollziehbar. Das Lügengebäude der internationalen Finanzmarkt-Spieler scheint zu halten. Zur Erinnerung: Kurz nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 wurde von renommierten Institutionen wie dem Währungsfonds festgestellt, dass rund um den Globus Wertpapiere mit einem Börsepreis von einst 60.000 Milliarden US-$ nicht mehr bewertbar sind. Das entspricht der gesamten weltweiten Wirtschaftsleistung für ein Jahr. 17 Monate danach ist davon nicht mehr viel zu hören - den neuen, liberalen Bilanzierungsregeln sei Dank. Auch die Debatte um eine höhere Eigenkapitaldecke verliert zusehends an Schärfe.

Was nimmt man also als Banker aus der größten globalen Finanzkrise mit? Vor allem zwei Dinge. Erstens: Je größer das Institut ist, umso größere Räder mit entsprechend hohem Risiko zahlt es sich aus, zu drehen. Im Ernstfall springt ohnehin der Staat ein - in Europa flächendeckend, in den USA ab einer gewissen Bilanzsumme. Zweitens gilt: Wenn die Sache aufgeht, springen Boni wie eh und je heraus.

Österreichische Banken wären schlecht beraten, sich die neuen Chancen entgehen zu lassen, die sich angesichts dieses Umfeldes ergeben. Wenn nicht Raiffeisen, Erste Group oder Bank Austria die Geschäfte in Osteuropa machen, schlägt jemand anderer zu. Vor der aufgetürmten Bilanzsumme von 300 Milliarden Euro fürchtet sich keiner mehr. Auch nicht vor den 80 Milliarden Euro an Fremdwährungskrediten, die zu einem guten Teil in Fernsehern und Autos stecken. Kein Wunder, jene heimischen Banken, die in der Ukraine Wohnungen bei geplatzten Krediten nicht mehr als Sicherheit verwerten dürfen, haben mit Deckung von Wirtschaftsprüfern nur kosmetische Abwertungen vorgenommen. Ebenso jene Institute, die in Rumänien auf zehntausenden wertlosen Einfamilienhäusern sitzen. Als Österreich-Spezifikum kommt dazu, dass bereits gescheiterte Vorstände auch noch das Ruder einer weiteren Problembank übernehmen dürfen, wie die Beispiele Kommunalkredit und Hypo Alpe Adria zeigen.

Zum Knackpunkt für die Branche wird freilich das laufende Jahr. Nur wenn sich die nun realwirtschaftlich bedingten Kreditausfälle halbwegs in Grenzen halten, kann die Party ungestört weitergehen.

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