Hotel in der Klemme?

ÖHV-Hotelierkongress setzt mit einer hochkarätigen Finanz- und Bankenrunde deutliches Signal für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Zell am See (TP/OTS) - In einer Blitzumfrage konnten die
Teilnehmer des ÖHV-Hotelierkongresses in Zell am See via SMS ihre Erfahrungen mit den heimischen Bankinstituten kundtun: 38 % der Befragten gaben dabei an, dass sich ihre Kreditkonditionen im Zuge der Wirtschaftskrise verschlechtert hätten. "Man hat den Eindruck, dass die Banken die Devise ausgeben: Sicherheiten verstärken und Margen erhöhen", resümierte Dr. Wilfried Holleis in seiner Präsentation der neuen ÖHV-Webplattform www.bankencheck.at. Unternehmer können dort - auf Basis von 15 leitenden Kriterien - ihre Meinungen über die Kreditinstitute kundtun. "Macht braucht Gegenmacht", gab sich Holleis überzeugt, "dann kann sich auch auf diesem Markt etwas tun."

Haupteinnahmequelle der Banken ist das Kreditgeschäft

"Wir wollen Kredite vergeben, wo wir eine Chance sehen, diese in absehbarer Zeit auch zurückzubekommen", konterte Dr. Karl Sevelda, Vorstand der Raiffeisen Zentralbank. Auch für die Banken wäre Basel II mit enormem Aufwand verbunden, doch müsse man sich auf beiden Seiten auf massive Änderungen im Bereich des Geld- und Kreditwesens einstellen. "Wir stehen erst am Anfang eines Korrekturprozesses mit stärkeren Regulierungen und deutlichen Änderungen der Realwirtschaft", plädierte auch Unternehmensberater Mag. Roland Haslauer dafür, gemeinsam mit den Unternehmern die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dr. Thomas Uhler, Vorstand der Erste Bank der österreichischen Sparkassen, begrüßte das Bankencheck-Projekt der Österreichischen Hoteliervereinigung als wichtigen Schritt in Richtung mehr Transparenz. Zwei Drittel der ERP-Kleinkredite würden vom Raiffeisen- und Sparkassensektor vergeben - eine Zahl, die deutlich über dem vergleichbaren Marktanteil dieser Institute liegt. Uhler zeigte sich allerdings auch besorgt, dass sich auf Grund der zu erwartenden schärferen Rahmenbedingungen tatsächlich eine Kreditklemme ergeben könnte, dem gelte es nach Maßgabe der Möglichkeiten vorzubeugen. "Ich kann die Banken nur warnen, ihre Riskmanager weiter so auf die Hoteliers loszulassen, wie das derzeit geschieht. Sonst gibt es bald keine Hausbanken mehr und wir werden das Geld einkaufen wie Tomaten", stellte Holleis den Kreditinstituten die Rute ins Fenster. "Auch wir spüren die Krise", wandte hingegen Dr. Franz Hartl von der Österreichischen Tourismusbank ein, "für den Hotelier gab es im vergangenen Jahr kaum zinsgünstige, vor allem aber so gut wie keine langfristigen Kredite." Hartl warnte die Kongressteilnehmer allerdings auch davor, dass die Rahmenbedingungen mit Basel III nicht besser sondern im Gegenteil noch rigoroser würden.

Das beste Kapital kommt von zufriedenen Kunden

"Wir leben jetzt mit den Folgen all dieser Regulierungen", resümierte Fredmund Malik, "ob Europa das in seiner heutigen Form überstehen wird, wird sich erst zeigen." Einig waren sich die Experten, dass sich das Kreditgeschäft nicht völlig mathematisieren lässt. Sevelda: "Das wird vor allem der neuen Generation an Bankern und Riskmanagern völlig neue Qualifikationen abverlangen." Michael Widmann von PKF hotelexperts wies darauf hin, dass die Geldgeber in der Vergangenheit völlig überzogene Renditeerwartungen im Tourismus gehabt hätten. "In der Boomzeit haben die Banken viel zu viele unsinnige Projekte finanziert", kritisierte er. Denn tatsächlich würden klassische Ferien-, aber auch Luxushotels traditionell nur sehr geringe Renditen erwirtschaften. Widmann brachte das buy-to-let-Modell als eine, seiner Ansicht nach elegante Finanzierungsergänzung, weil sich dadurch die Rendite der Immobilien erhöhe. Hartl rief die Runde auf, generell aktiv über alternative Finanzierungsformen nachzudenken. Wilfried Holleis wandte dagegen ein, dass rund 80 Prozent der österreichischen Tourismusunternehmen Familienbetriebe sind, für die zahlreiche Instrumente der Finanzierung einfach nicht in Frage kommen. Vielmehr brauche es, pflichtete Haslauer ihm bei, kreative Kreditmodelle, die den Zinssatz beispielsweise an die Frequenzen oder Umsätze der Kreditnehmer koppelt. "Die Hotels sparen oft an der falschen Stelle", gab Fredmund Malik zu bedenken, "das beste Kapital kommt von zufriedenen Kunden." Zum Ende der Diskussion gab Karl Sevelda zu bedenken, dass es tatsächlich keine wirklich neuen Spielregeln bei der Kreditvergabe geben werde: "Es zählen heute mehr denn je die alten Tugenden, einerseits den Kunden zu kennen und andererseits Transparenz auf beiden Seiten, auch auf Seiten der Bank."

400.000 Euro Wertschöpfung für die Region

Top-Referenten und ein attraktives Rahmenprogramm machen den ÖHV-Hotelierkongress zu dem Branchenevent schlechthin: Die Veranstalterregion kann mit 1.550 zusätzlichen Nächtigungen durch rund 560 Hoteliers, Touristiker und Partnerunternehmer, Journalisten, Referenten und Politiker rechnen. Die Region profitiert von einer zusätzlichen direkten Wertschöpfung in der Höhe von rund 400.000 Euro.

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