Jung, dynamisch, migrantisch - Chancengerechtigkeit für Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt

Zentrale Anliegen zur Erreichung von Chancengleichheit für Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt

Wien (OTS) - "Chancengerechtigkeit für Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt braucht eine Öffnung des Arbeitsmarktes für "ausgegrenzte Jugendliche" und ein an den Bedürfnissen, Kompetenzen und Erfahrungen orientiertes flächendeckendes Bildungs- und Qualifizierungsprogramm. Die interkulturelle Öffnung von Arbeitsmarkt und öffentlichen Einrichtungen, sowie die Anerkennung von Mehrsprachigkeit auf allen Ebenen sind weitere wichtige Grundvoraussetzungen, um diese Chancengerechtigkeit tatsächlich herzustellen", betonte Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses, bei der heutigen Pressekonferenz "Jung, dynamisch, migrantisch". "Sämtliche gesetzlichen Diskriminierungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt müssen dringend abgeschafft werden. Wer hier lebt, soll auch einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Jugendliche und junge erwachsene AsylwerberInnen sind davon besonders betroffen. Eine Entkoppelung von Lehrausbildung und Ausländerbeschäftigung ist unerlässlich", forderte Eraslan-Weninger und stellte weitere zentrale Anliegen zur Erreichung von Chancengleichheit für Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt vor, die im Rahmen von workshops auf der DYNAMO-Konferenz erarbeitet wurden.

Seit einigen Jahren besteht eine Kooperation zwischen der Volkshochschule Ottakring, der VHS 15 und dem Verein Projekt Integrationshaus. DYNAMO - ein Projektnetzwerk für Bildungs- und Beratungsarbeit mit jugendlichen MigrantInnen. FördergeberInnen und strategische PartnerInnen in diesem Netzwerk sind der Europäischen Sozialfonds, das bm:ukk, die MA 17, der WAFF, das AMS Wien und die AK Wien.

Lernen und Arbeiten in einer Zweitsprache

Sprachfähigkeit - eine der "Europäischen Schlüsselkompetenzen" -bezeichnet die Fähigkeit, sich sprachlich auszudrücken und zu kommunizieren: Sie bezeichnet nicht notwendig Akzentfreiheit oder perfekte Grammatikbeherrschung. Michaela Judy, Direktorin der VHS 16, über Lernen und Arbeiten in einer Zweitsprache: "Die derzeitige Entwicklung einer rigiden Deutschförderung, vor allem im Bereich der niedriger Qualifizierten, scheint eher geeignet, Sprachfähigkeit zu reduzieren. Jugendliche mit deutscher Erstsprache werden wenig ermutigt, sich Fremdsprachen über Englisch hinaus anzueignen. Lebende Fremdsprachen, die im Klassenzimmer gesprochen werden - also die Erstsprachen der MigrantInnen - werden abgewertet und sollen durch Deutsch ersetzt werden." Wenig überraschend spiegelt sich diese Abwertung auch in Erwartungen des Arbeitsmarktes wider: meist werden "Deutschkenntnisse" verlangt, ohne zu differenzieren, welche Kenntnisse für welche Tätigkeiten tatsächlich benötigt werden.

"Die Perspektive von "DYNAMO" gründet demgegenüber auf der Erfahrung, dass der selbstverständliche Umgang mit Mehrsprachigkeit und Zweisprachigkeit im Alltag mittelfristig auch das Spektrum der Kommunikationsfähigkeit erweitert", so Dr. Michaela Judy.

AK will faire Bildungschancen - auch für MigrantInnen

"Gute Ausbildung für Kinder und Jugendliche in Österreich darf weder von der Brieftasche der Eltern noch von der ethnischen Herkunft abhängen", sagen Gabriele Schmid, Leiterin der AK Wien Abteilung Bildungspolitik, und Josef Wallner, Leiter der AK Wien Abteilung Arbeitsmarkt und Integration. Generell sind in Österreich umfassende Bildungsreformen notwendig - noch haben Kinder von gering Qualifizierten wesentlich schlechtere Chancen auf höhere Bildung als Akademikerkinder. Das trifft vor allem auch Jugendliche mit Zuwanderungshintergrund. Notwendig ist auch, jugendlichen AsylwerberInnen und Kindern von AsylwerberInnen Zugang zu Ausbildung zu ermöglichen.

"Vielen Jugendlichen fehlen mit Ende der Schulpflicht die notwendigen Qualifikationen für den Eintritt in den Arbeitsmarkt oder in eine weiterführende Ausbildung", sagt Gabriele Schmid, "und die Chancen auf höhere Bildung sind ungleich verteilt." Schlechtere Chancen haben im österreichischen Bildungssystem Kinder von Eltern, die wenig verdienen und selbst nur wenig lernen konnten. "Betroffen sind gerade auch Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungshintergrund. Da brauchen wir umfassende Bildungsreformen und selbstverständlich auch spezielle Maßnahmen, um Kinder mit Zuwanderungshintergrund zu fördern."

AK fordert Ausbildung für jugendliche AsylwerberInnen

"Derzeit haben AsylwerberInnen nur extrem eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und gar nicht zu Arbeitsmarktausbildung. Das führt zu verschiedenen Formen von Schwarzarbeit", sagt Josef Wallner. "Es soll daher abgestuft nach Situation temporärer Zugang zum Arbeitsmarkt und - vor allem für Jugendliche - Zugang zu Ausbildung eröffnet werden. Jugendlichen AsylwerberInnen soll ab dem dritten Monat primär der Zugang zu Ausbildung eröffnet werden: Sprache und Berufsorientierung, Arbeitsmarktservice-Kurse und Schulausbildung haben in dieser Lebensphase (wie auch bei inländischen Jugendlichen) Vorrang vor unqualifizierter Arbeit.

Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt

"Der Großteil der Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund verhält sich sozial angepasst. Einzelfälle werden verallgemeinert. Hier klaffen Image und Wirklichkeit auseinander", meint August Gächter (Projektleiter im Zentrum für Soziale Innovation, Forschungsschwerpunkte Arbeit und Chancengleichheit). "Dies hat auch Auswirkungen bei der Arbeitssuche. Ein Hauch von einem Akzent oder ein ausländischer Vorname reichen aus, dass rund 40 % der Arbeitgeber nicht nach weiteren Qualifikationen fragen und dem Jugendlichen keine Chance geben." Ein besonderes Problem stellt sich für Jugendliche, die mit einer abgeschlossenen Ausbildung nach Österreich kommen. Für sie gibt es kaum Möglichkeiten, diese Ausbildungen einem österreichischen Abschluss anzupassen. Hier besteht hoher Handlungsbedarf.

Die zentralen Anliegen zur Erreichung von Chancengerechtigkeit für Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt, finden Sie unter www.integrationshaus.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/6487

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