Internationale Insolvenzprognose 2010

PRISMA Vorstand Ludwig Mertes erwartet weiterhin ein hohes Insolvenzniveau

Wien (OTS) - Trotz langsamer Erholung der Volkswirtschaften gibt Ludwig Mertes für 2010 keine Entwarnung an der Insolvenz-Front.

2009 verzeichnete man in Westeuropa einen Rekord-Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um +24,5%, in Mittel- und Osteuropa waren es sogar +56,1%. "2010 wird für die Volkswirtschaften ein Jahr des Übergangs sein. Das bedeutet aber leider noch nicht, dass wir mit weniger Insolvenzen rechnen dürfen", so Mertes.

Der dramatische Anstieg der Insolvenzen im vergangenen Jahr war in erster Linie auf Umsatzeinbrüche zurückzuführen, die durch die Krise ausgelöst wurden: In einer globalen Kettenreaktion sind viele Märkte eingebrochen und die Rentabilität vieler Unternehmen ist danach nachhaltig gesunken. Die zäher werdenden Geldflüsse führten dann zu einem regelrechten wirtschaftlichen Schock.

"Die Aussichten für 2010 sind nicht rosig, aber auch nicht dramatisch", meint Mertes. Dennoch wird die schleppende wirtschaftliche Erholung nicht ausreichen, um erlittene Gewinn-einbrüche zu kompensieren. "Den Unternehmen steht ein Jahr mit schwachen Umsätzen bevor, die zu gering sein werden, um eine nachhaltige Erholung zu ermöglichen. Dazu kommt noch, dass viele Unternehmen ihre Liquiditätsreserven während der letzten Quartale voll ausgeschöpft haben", erläutert Mertes.

In den wichtigsten Exportmärkten Deutschland und Italien stieg 2009 die Zahl der Insolvenzen um 15,4% bzw. 37%. Trotzdem liegen beide Länder damit noch im Mittelfeld. Spanien war 2009 der traurige Spitzenreiter mit einem Anstieg von 111% im Vergleich zu 2008. Ihm folgen die baltischen Staaten mit Zuwächsen zwischen 80% und 90%. Sowohl in Spanien (Bau-Boom) als auch im Baltikum (rasante Expansion in den Vorjahren) waren es jeweils sehr spezifische Gründe, die zu der Entwicklung geführt haben. Gleichwohl war der Trend in allen Ländern eindeutig - er war eindeutig negativ. Österreich hat sich in diesem Umfeld erstaunlich gut geschlagen: Es weist die geringste Insolvenzzunahme in Europa auf (+9,3%).

Ausgewählte Länder im Überblick, Insolvenzen 2009/2010*

Veränderung zum Vorjahr in % und Zahl 2008 2009 2009 2010 2010 Deutschland 29.291 33.802 15,4% 36.912 9,2% Italien 7.300 10.001 37,0% 11.501 15,0% USA 43.546 63.098 44,9% 60.700 -3,8% Schweiz 4.221 5.302 25,6% 5.100 -3,8% Frankreich 57.665 67.410 16,9% 68.624 1,8% Tschechien 1.110 1.550 39,6% 1.500 -3,2% Ungarn 11.181 16.995 52,0% 16.995 0,0% Großbritannien 29.994 37.493 25,0% 37.493 0,0% Polen 430 620 44,2% 680 9,7% Spanien 2.528 5.339 111,2% 5.489 2,8% Estland 429 820 91,1% 650 -20,7% Lettland 1.226 2.240 82,7% 1.850 -17,4% Litauen 928 1.670 80,0% 1.340 -19,8% Österreich 6.315 6.902 9,3% 7.731 12,0%

* 2009/2010 sind Prognosen von Euler Hermes / Österreich-Daten von KSV1870
**Die gesamte Statistik gibt es unter www.prisma-kredit.com zum Download!

Deutschland - Neuerlicher Anstieg der Insolvenzen

Durch die beispiellose Rezession im Winterhalbjahr 2008-09 ist das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009 um etwa -4,8% gefallen. Die Insolvenzen stiegen um rund 15% an. Doch Deutschland beginnt sich allmählich zu erholen, auch wenn die Auswirkungen noch lange Zeit spürbar sein werden. Für 2010 rechnen wir mit einem Insolvenzanstieg von weiteren 9%.

Italien - Unternehmen nach zwei Jahren Rezession geschwächt

Im Gesamtjahr 2009 hat die Zahl der so genannten fallimenti mit ca. +37% auf fast 10.000 zugenommen. Das Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr 2009 ist um fast 5% eingebrochen.

"Die Wirtschaft wird sich 2010 geringfügig erholen und wahrscheinlich um weniger als 1% wachsen", erläutert Mertes. "Trotzdem erwarten wir, dass die Zahl der Unternehmensinsol-venzen 2010 um weitere 15% auf insgesamt knapp 11.500 steigen wird." Weniger privater Konsum, steigende Arbeitslosigkeit und geringe Kapazitätsauslastung sind die Gründe dafür.

USA - Ein 17-Jahres-Hoch

Seit 2007 ist in den USA ein frappierender Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu beobachten: Die Zahl der Insolvenzen verdreifachte sich innerhalb von drei Jahren auf insgesamt 63.000 Fälle per Ende 2009. Das bedeutet den höchsten Wert seit 1992 und ein Plus von 45% gegenüber 2008. Die Finanzkrise und die Ende 2007 beginnende Rezession schwächten alle wirtschaftlichen Akteure in erheblichem Ausmaß. Geldpolitik, Konjunkturprogramme und Dollarschwäche beginnen nun ihre Wirkung zu entfalten, im 3. Quartal 2009 begann die US-Wirtschaft wieder zu wachsen.

"Die Anzeichen einer Erholung für 2010 sind ermutigend, doch werden die hohe Arbeitslosenrate von 10% und die Zurückhaltung der Banken die Dynamik der Inlandsnachfrage noch mehrere Quartale lang bremsen", erläutert Mertes. Die Wirtschaft dürfte im Gesamtjahr 2010 wieder um mehr als 2% wachsen, womit die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf 61.000 fallen könnte (-4%).

Schweiz - Neue Rekordwerte

Die Zahl der Firmenpleiten stieg um 25,6% im Gleichschritt mit einer Serie von Schocks, denen die schweizer Wirtschaft ausgesetzt war: Der Inflationsanstieg bis Mitte 2008, der Kollaps des Außenhandels im Winter 2008-2009 (zeitweise verschärft durch die Aufwertung des Schweizer Franken) und die internationale Finanzkrise, die den Finanzplatz Schweiz besonders getroffen hat.

2010 wird die Schweiz vom erwarteten leichten Wirtschaftsaufschwung ihrer Handelspartner und einer relativen Normalisierung auf den Kapitalmärkten profitieren. Der private Konsum ist als robust einzuschätzen. Das BIP Wachstum wird 2010 mit weniger als 1% eher bescheiden ausfallen, kann aber eine Trendumkehr bei den Unternehmensinsolvenzen einleiten. Dessen ungeachtet werden die Pleiten 2010 mehr als 5.000 Unternehmen betreffen.

Frankreich - Insolvenzen auf Rekordniveau

Nach einer gerade noch positiven Performance im Gesamtjahr 2008 (+0,3%) brach die französische Wirtschaft im 1. Halbjahr 2009 ein. Im Gesamtjahr schrumpfte sie allerdings nur um 2%. Zeitgleich sind die Insolvenzen um etwa 17% gestiegen. "Auch für Frankreich wird 2010 eher ein Jahr des Übergangs sein als das des Aufschwungs - die Wirtschaft wird voraussichtlich nur um knapp 1% zulegen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte mit mehr als 68.000 Fällen hoch bleiben", kommentiert Mertes.

Tschechische Republik - Rezession und erhöhte Risiken

Mit der tschechischen Wirtschaft ging es Ende 2008 und Anfang 2009 genauso steil abwärts wie im restlichen Osteuropa. Konjunkturpakete im Ausmaß von 2% des BIP stützten Nachfrage und Beschäftigung. Trotzdem stiegen die Insolvenzen 2009 signifikant an (+40%), eine Tatsache, die allerdings auch auf ein geändertes Insolvenzrecht zurückzuführen ist.

Die Wirtschaft wird 2010 nur bescheiden wachsen (+1,5%). Der seit 2009 bestehende Auf-wärtstrend bei den Insolvenzzahlen dürfte bis Mitte 2010 anhalten und sich dann umkehren, womit sich die Zahl der Insolvenzen Ende 2010 bei rund 1.500 Fällen stabilisieren könnte.

Ungarn - Tiefe Rezession

Die bereits durch strukturelle Ungleichgewichte geschwächte ungarische Wirtschaft geriet durch die Weltfinanzkrise ernsthaft ins Strudeln. Finanzhilfen des IWF und der Europäischen Union, sowie eine Straffung der Budgetpolitik haben dazu beigetragen, das Misstrauen der Investoren in Grenzen zu halten. Die Wirtschaft ist 2009 um ca. 6,5% geschrumpft - das bedeutet den größten Rückgang im EU Raum. Das erklärt auch die zunehmende Zahl der Insolvenzen, die auf insgesamt 17.000 Fälle geschätzt wird.

Die Wirtschaft wird 2010 weiter schrumpfen. Die Exportentwicklung hängt von der Stärke des Aufschwungs in der Eurozone ab, insbesondere von Deutschland, wo 28% der ungarischen Ausfuhren hingehen. Der für die beiden nächsten Jahre vorgeschlagene Plan zur Stützung von Konjunktur und Beschäftigung könnte zur Stabilisierung der Insolvenzzahlen beitragen, wenn auch auf sehr hohem Niveau.

Großbritannien - Höchste Insolvenzzahlen seit 15 Jahren

Seit dem Platzen der Immobilienblase und dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise steckt Großbritannien in einer hartnäckigen Rezession. Im Gesamtjahr 2009 ist die Zahl der Insolvenzen um etwa 25% auf rund 37.500 gestiegen. 2010 sollten geld- und budgetpolitische Maßnahmen und ein verbessertes globales Umfeld zu einer Stabilisierung führen.

Polen - eine Ausnahmeerscheinung

Polen ist das einzige Land Europas, das 2009 von einer Rezession verschont blieb. Das Bruttoinlandsprodukt hat im Gesamtjahr 2009 um ca. 1% zugelegt. Die polnische Wirtschaft - mit nur 40 % Exportanteil - erwies sich relativ unabhängig vom Einbruch des Welthandels. Außerdem sorgten Konjunkturprogramme, Steuersenkungen und EU-Finanzmittel für eine Stützung der Infrastrukturinvestitionen und des privaten Konsums. Polnische Unternehmen sind zwar relativ gering verschuldet, doch auch hier steigen die Insolvenzzahlen an (+44,2% im Jahr 2009). Das offizielle Insolvenzniveau ist allerdings für ein Land mit 3,6 Millionen Unternehmen wegen der teuren Rechtskosten bei Konkursanmeldung sehr niedrig.

"Wachstumsimpulse werden 2010 nur von den Infrastrukturinvestitionen und der Bautätigkeit für die Fußballeuropameisterschaft 2012 ausgehen. Wir erwarten, dass die polnische Wirt-schaft um etwa 2% zulegt", sagt Mertes. Mit diesem bescheidenen Wachstum könnten die Unternehmensinsolvenzen allerdings auch 2010 weiter steigen (+10%).

Österreich - Hält sich gut im Europavergleich

Die österreichische Wirtschaft hat sich alles in allem gut gehalten. Für das Gesamtjahr 2009 geht man von -3,5% BIP-Rückgang aus. "Im Vergleich zum Rest der Welt, können wir stolz sein, dass Österreich nur 9,3% mehr Pleiten verzeichnet als im Vorjahr", freut sich Ludwig Mertes. Der bereits im 2. Halbjahr 2009 eingesetzte Aufschwung wird sich 2010 fortsetzen - bescheiden, aber immerhin. Für 2010 geht Mertes von einem Wirtschaftswachstum von rund 1% aus.

Download der gesamten Statistik:

http://www.prisma-kredit.com/de/osn/Seiten/downloads.aspx unter
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Die Insolvenzprognosen von Euler Hermes basieren auf der Fachkompetenz der Kreditexperten und Analysten von Euler Hermes, die mit Hilfe lokaler Tochterunternehmen das Risiko von Unternehmen weltweit genau überwachen. Der internationale Vergleich absoluter Insolvenzzahlen stellt sich als schwierig dar, da die Anzahl der Unternehmen nicht in direktem Zusammenhang mit der Größe eines Landes steht. In manchen Ländern sind auffällig viele oder auffällig wenige Unternehmen von der Statistik erfasst. Dies ist auf gravierende Unterschiede in den einzelnen Insolvenzgesetzen oder auf unterschiedliche Definitionen der Unternehmensinsolvenzen zurückzuführen

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet. 2008 erzielte PRISMA 56 Mio. Euro Umsatz. PRISMA ist zu 100 % Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51 % der Managementholding, 49 % hält die Euler Hermes Kreditversicherung AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe ist Welt-marktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

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