FCG: Mit Schönfärberei bei Lehrlingszahlen muss Schluss sein

Wien (OTS) - Von einem Zuwachs kann keine Rede sein, 2009 gab es
in Wien 7,5 Prozent weniger Lehrplätze. FCG-Lehrlingsanwalt Gajdosik warnt vor eine Ausdünnung des Lehrangebots und plädiert für eine stärkere Förderung der Betriebe und eine Qualitätssicherung im Schulsystem.

Die Wiener Lehrlingszahlen sind alles andere als berauschend, kritisiert Alfred Gajdosik, Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) Wien, die offiziellen Daten. "2009 hatten wir in Wien angeblich 6.414 Lehrplätze im ersten Lehrjahr. Kann es sein, dass heuer Wahlen vor der Tür stehen? Tatsächlich muss man nämlich 1.271 abziehen, die AMS-Kursanbietern zugeteilt sind. Bereinigt bleiben also nur 5.143 echte Lehrplätze übrig."

2008 habe es dagegen noch 5.529 Lehrplätze gegeben. Das behauptete Plus von 16 Prozent entspreche daher keineswegs der Realität. Vielmehr sei ein Minus von 7,5 Prozent zu beklagen, rechnet der FCG-Lehrlingsanwalt vor. Gegenüber 2008 gebe es im ersten Lehrjahr 386 Lehrlinge weniger.

Initiativen für Lehrlingsboom notwendig

"Entweder gibt es unter den Jugendlichen ein Desinteresse an Lehrplätzen - dann fehlt es an Lebenstüchtigkeit. Oder es ist schlichtweg Untätigkeit aus Verzweiflung - dann fehlt es an Beratungseffizienz. Oder es liegt am Verzicht der Unternehmen auf Ausbildung, weil das Eingangsniveau nicht reicht - dann ist es eine offensichtliche Minderleistung des Pflichtschulsystems", sieht Gajdosik den Rückgang an Lehrstellensuchenden als Alarmzeichen für die Politik. Seine Schlussfolgerung: "Wir brauchen Initiativen für einen Boom zur Lehre!"

Ausbildung in den Betrieben fördern

Der FCG-Lehrlingsanwalt plädiert für Chancengerechtigkeit bei der Förderung betrieblicher und überbetrieblicher Lehrplätze. "Wenn für 4.500 Jugendliche stolze 83 Millionen Euro zur überbetrieblichen Lehrausbildung bereitgestellt sind, bedeutet das pro Platz 18.444 Euro. Das ist ein sehr teures Sozialprogramm. Dieser Schwerpunkt der Wiener Landesregierung sollte in gleicher Höhe auch den Betrieben zugutekommen."

Ausdünnung des Angebots an Lehrberufen droht

Zudem würden in den überbetrieblichen Einrichtungen viel zu wenige zukunftsträchtige Lehrberufe angeboten. Dadurch entstehe eine Konzentration der Förderungen in den Ballungsgebieten. Das beschleunige wiederum die Abwanderung von Betrieben und zwinge Lehrlinge zu erhöhter Mobilität.

"Diese Entwicklung darf nicht auch noch finanziell unterstützt werden", verlangt Gajdosik eine Korrektur des Fördermodells: "Es müssen auch Lehrberufe gefördert werden, die nicht in Lehrwerkstätten angeboten werden, sonst drohen ein Verlust der Vielfalt und eine Einengung auf nur wenige Lehrberufe. Wenn weitergemacht wird wie bisher, wird die Arbeitslosigkeit sogar um ein paar Jahre hinausgezögert."

Schulausbildung nicht auf die Lehre abschieben

Essenziell ist für Gajdosik, dass die Schüler bei Schulabschluss bereits über den nötigen Wissensstand verfügen: "Es kann nicht sein, dass in der Lehrausbildung repariert werden muss, was in der Schule versäumt wurde. Das muss in der Schule selbst geschehen, spätestens durch Sondermaßnahmen im letzten Schuljahr." Dazu bedürfe es einer Qualitätssicherung bereits ab der Volksschule, um die Fortschreibung unzureichender Leistungen zu verhindern.

"Dieses Manko ist schon lange bekannt, und trotzdem passiert nichts. Daher verzichten die Unternehmen auf Ausbildung, weil das Eingangsniveau durchwegs ungenügend ist. Probleme beim Übertritt in die Berufswelt sind so vorprogrammiert."

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Alfred Gajdosik
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