"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nur wenige sitzen in der Hängematte" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 18. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Zwischen Ausbeutung und Hängematte: Der zuletzt zunehmend aufgeheizte Ton ist kontraproduktiv und ungerecht.
Die schwerste Wirtschaftskrise hat auch Tirol nicht ungeschoren gelassen, die Wirtschaftsleistung ist um 3 Prozent geschrumpft. Ein starker Tourismus und die ungebrochene Kaufkraft im Handel haben Schlimmeres verhindert. Tirol hat im Vorjahr bereits das zwölfte (!) Jahr in Folge besser abgeschnitten als Gesamt-Österreich.
Es geht wieder langsam aufwärts, leider aber noch nicht auf dem Arbeitsmarkt. Im Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um über 4000 auf 20.200 an, heuer wird eine neuerliche Zunahme auf bis zu 23.000 Betroffene befürchtet. Gleichzeitig sucht etwa der heimische Tourismus händeringend Mitarbeiter und könnte ohne - vor allem Tausende deutsche - Gastarbeiter vielfach zusperren.

Wohl auch deshalb ist jüngst eine heftige Debatte darüber ausgebrochen, ob nicht der Berufsschutz für Arbeitslose aufgehoben werden solle. Auch LH Platter macht sich für eine Aufweichung stark. Gleichzeitig kommt auch verstärkt Kritik von Arbeitnehmervertretern, dass gerade die Krise von Firmen für Sozialabbau genutzt werde. Tirol und Österreich sind bisher, gerade auch in der zu Ende gehenden Krise, gut damit gefahren, mit Augenmaß vorzugehen - auch in der Wortwahl. Denn klar ist: Die überwältigende Mehrzahl der Firmenchefs sind keine Raubritter, die allermeisten Beschäftigten und Arbeitslosen sind loyal, fleißig und ganz gewiss keine Schmarotzer. Die Gangart gegen unwillige oder pfuschende Arbeitslose wurde (wie die jüngsten Zahlen zu den AMS-Sanktionen zeigen) ohnehin deutlich verschärft.

Wo Sozialsysteme zu Unrecht geplündert werden, ist jede Härte zu begrüßen. Beim Berufsschutz (der vor Jahren schon auf 100 Tage reduziert wurde) ist Vorsicht angesagt. Für einen politischen Schnellschuss ist der Berufsschutz ungeeignet.

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