Kirchen feiern am 17. Jänner "Tag des Judentums"

Wien (OTS) - Metropolit Staikos zentralen Gottesdienst in der rumänisch-orthodoxen Pfarrkirche in Wien-Simmering - Kardinal Schönborn: "Wir können Jesus nicht am Judentum vorbei oder gar gegen das Judentum finden"

Die Kirchen in Österreich feiern am Sonntag, 17. Jänner, den "Tag des Judentums". An diesem Tag besinnen sich die Christen in besonderer Weise auf ihre jüdischen Wurzeln. In Wien findet der zentrale Gottesdienst zum "Tag des Judentums" um 18 Uhr in der rumänisch-orthodoxen Pfarrkirche in Simmering (Simmeringer Hauptstraße 161) statt. Der orthodoxe Metropolit Michael Staikos leitet den Gottesdienst, Dechant Ferenc Simon hält die Predigt. Kardinal Christoph Schönborn hat bei seiner Katechese im Stephansdom am 10. Jänner neuerlich hervorgehoben: "Wir können Jesus nicht am Judentum vorbei oder gar gegen das Judentum finden". Der Wiener Erzbischof unterstrich die Bedeutung des Konzilsdokuments "Nostra Aetate", das einen endgültigen Schluss-Strich unter die Judenfeindschaft gezogen habe. Die vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum habe dann 1985 mit ihren "Hinweisen für eine richtige Darstellung des Judentums in der Predigt und Katechese der katholischen Kirche" die Grundlage für die Formulierungen im "Weltkatechismus" geliefert.

Kardinal Schönborn erinnerte an das aufsehenerregende Buch eines der bedeutendsten jüdischen Gelehrten der Gegenwart, des US-amerikanischen Rabbiners Jacob Neusner ("Ein Rabbi spricht mit Jesus"). Der heutige Papst habe das Werk Neusners als "das wichtigste Buch für den christlich-jüdischen Dialog" bezeichnet. Neusner stelle sich vor, gleichsam an der Bergpredigt Jesu teilzunehmen und dann im abendlichen Gespräch mit anderen Rabbinern die Frage zu erörtern, ob die Lehre Jesu mit der Thora übereinstimme. Das Ergebnis sei, dass die Lehre Jesu im großen und ganzen der Thora entspricht. Und auf die entscheidende Frage, ob Jesus Neues gebracht habe, finde Neusner die überraschende Antwort: "Ja, sich selber". Der Wiener Erzbischof betonte in diesem Zusammenhang in seiner Katechese: "Jesus ist Jude ganz und gar und doch ist da etwas Neues".

Ausdrücklich stellte Kardinal Schönborn fest, dass man sich von manchen, vor allem in Mitteleuropa verbreiteten, stereotypen Vorstellungen im Hinblick auf das Verhältnis von Judentum und Christentum verabschieden müsse. So sei es nicht angebracht, die Gesetzesfrömmigkeit des Judentums herabzusetzen. Diese Frömmigkeit habe eine große Würde; am Fest "Simchat Thora" (dem Thora-Freudenfest) werde in der Synagoge mit der Thora-Rolle getanzt. Jesus habe aber klar gemacht, dass die "vollkommene Erfüllung des Gesetzes" nur das Werk Gottes sein kann.

Im Hinblick auf den Prozess Jesu vor dem Hohen Rat zitierte der Wiener Erzbischof die Konzilserklärung "Nostra Aetate" und den "Weltkatechismus": Das Leiden Jesu könne "weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last gelegt werden". Die den Juden angelastete Kollektivschuld am Tod Jesu habe im Lauf der Geschichte "unendliches Leid" über das jüdische Volk gebracht, bedauerte Kardinal Schönborn. Erst mit "Nostra Aetate" sei eine "lange tragische Geschichte" abgeschlossen worden. Und doch habe die Kirche auch schon zuvor nicht gezögert, den Christen und deren Sünden die Verantwortung für die Qualen Christi zuzuschreiben, während die Christen diese Verantwortung allzu oft einzig den Juden zugeschoben hätten. Der Wiener Erzbischof zitierte den "Römischen Katechismus" von 1566: "Denn da unsere Sünden Christus den Herrn in den Kreuzestod trieben, so 'kreuzigen' tatsächlich jene, die sich in Sünden und Lastern wälzen, den Sohn Gottes aufs neue und treiben ihren Spott mit ihm".

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