Spitäler: Ärztinnen auf dem Vormarsch

Medizinernachwuchs überwiegend weiblich - flexiblere Arbeitsmodelle zukünftig nötig - gläserne Decke aufbrechen

Wien (OTS) - Immer mehr Frauen entscheiden sich für den Arztberuf. Beim Medizinstudium ist der Anteil der Studentinnen von unter 50 Prozent in den 80er Jahren auf zuletzt 60 Prozent gestiegen. Laut Aussage des Spitalsärztechefs und Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, betrage der weibliche Anteil auch bei der praktischen ärztlichen Turnusausbildung mittlerweile über 60 Prozent. Die "Femininisierung einer vermeintlichen Männerdomäne" ist für Mayer durchaus begrüßenswert. Doch müsse man dieser Entwicklung mit flexibleren Arbeitsmodellen begegnen, um damit den spitalsärztlichen Beruf besser mit "frauenspezifischen Anforderungen" wie Familie und Kindern zu vereinbaren, so der Bundesobmann der Spitalsärztinnen und -ärzte Freitag in einer Aussendung.

Frauen hätten gegenüber ihren männlichen Kollegen oft ausgeprägtere "Soft Skills", die sie für den Arztberuf besonders qualifizieren. Mayer: "Sie zeigen beispielsweise meist mehr Einfühlungsvermögen und Geduld. Ärztinnen hören besser zu und stellen mehr Fragen. Auch beachten sie psychosoziale Zusammenhänge stärker als ihre männlichen Kollegen."

Der Trend, dass immer mehr junge Frauen den Arztberuf ergreifen möchten, wird sich nach seriösen Prognosen in Zukunft noch verstärken. Wichtig werde dann auch, dass sich "Ärztin und Mutter sein" nicht gegenseitig ausschließt. Dazu Mayer: "Hier brauchen wir im Spital Arbeitszeiten, die flexibel auf die verschiedenen Lebensabschnitte Rücksicht nehmen. Je nach Alter sollte es möglich sein, eine zeitlang halbtags oder Vollzeit arbeiten zu können - mit dafür geeigneten Einkommensmodellen." Flexible Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Teilzeitausbildungsstellen und mehr Kinderbetreuungsplätze seien wünschenswert.

Nach wie vor schwierig ist es für Spitalsärztinnen, in Spitzenpositionen aufzusteigen. Von den 14.132 Spitalsärzten sind 6.861 Frauen. Damit ist knapp die Hälfte der Spitalsärzteschaft weiblich, jedoch ist nur jede Zehnte davon eine Primaria. Wenig Frauen gibt es vor allem in operativen Fächer, in der Chirurgie und der Urologie. Seitens der Ärztekammer sei man bestrebt, dies zu verbessern. Aber auch die Spitalsträger seien angehalten, mit entsprechenden Förderungsprogrammen und Ausbildungsangeboten die vermeintliche "gläserne Decke" aufzubrechen, so Mayer. (jg)

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