WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Legt den Kärntner Sumpf endlich trocken - von Esther Mitterstieler

Etwas läuft falsch, wenn Bilanzfälschung einfach hingenommen wird

Wien (OTS) - Der Sumpf rund um die Kärntner Hypo Alpe Adria Bank bleibt undurchsichtig wie eh und je. Gestern ist eine Liste von 46 Investoren aufgetaucht, die sich vor zwei Jahren mit dem Investmentbanker Tilo Berlin kurzfristig die Sperrminorität an der Kärntner Bank sicherten, um wenige Monate später mit einem Gewinn von stolzen 160 Millionen Euro wieder auszusteigen - bei einem Spieleinsatz von 635 Millionen Euro. Wobei die Rolle der Industriellen vom monetären Aufwand her weniger bedeutend war, als es anmuten mag: die Investitionsbandbreite lag zwischen 500.000 und fünf Millionen Euro - zu wenig für Berlin, um die Sperrminorität zu übernehmen. Daher lieh er sich 300 Millionen Euro von der Bayerischen Landesbank. Was jetzt die Justiz zusätzlich beschäftigt: Warum haben die Bayern zuerst Geld verliehen, um den Anteil an der Kärntner Bank wenige Monate später wesentlich teurer zurückzukaufen? Ein Schelm, wer Böses denkt.

Einige Schlussfolgerungen zum Thema lassen sich so oder so ziehen. Das Modell der Landesbanken ist hüben wie drüben überholt. In Deutschland geriet bekanntlich die Sachsen LB durch Investments am US-Hypothekenmarkt ins Rutschen und musste durch die Baden-Württembergische LB aufgefangen werden. In Kärnten fiel die Hypo wegen undurchsichtigen Devisengeschäften auf und der Konzernabschluss 2004 musste neu erstellt werden. Der damalige Vorstandschef Wolfgang Kulterer verteidigte die falsche Bilanzierung später als "ökonomisch richtig, aber rechtlich unrichtig".
Das spricht Bände für das verkehrte Sittenbild im Süden des Landes; ebenso, dass der Landeshauptmann mit 100 Euro-Scheinen Stimmenvolk anwerben konnte und 70 Millionen Euro für ein Fußballstadion in Klagenfurt, aber kein Geld für eine Stadtbibliothek, aufbringen konnte.

Fakt ist: Die Bilanzen der Hypo wurden gedehnt wie ein Gummiband, die Oesterreichische Nationalbank etwa mit ihrem Hinweis auf "falsche Bewertungen der Hypotheken im Ausland" nicht erhört. Wer zahlt's? Der Steuerzahler.

Einzig mögliche Antwort: Legt den Sumpf endlich trocken, alle Fakten auf den Tisch und heizt den Verantwortlichen Kärntnern von Wien aus ein, damit sie endlich wissen, was sie tun (sollten).

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