Industrie: FTI-Strategie ist einzigartige Chance für den Innovationsstandort

IV-GS Beyrer: Innovation in Topliga führen - Dynamik bei F&E fortsetzen - Forschungsprämie erhöhen - Kircher-Kohl: Bildungsbereich reformieren - Nachwuchssicherung in NWT

Wien (OTS/PdI) - "Derzeit liegen wir als Innovationsstandort im europäischen Vergleich knapp hinter den fünf Innovation Leader an 6. Position. Aus Sicht der Industrie muss es gelingen, Österreich in die weltweite Spitzen-Liga der Innovationsperformer zu führen. Die Industrie begrüßt die Ausarbeitung einer umfangreichen und verbindlichen Forschungs-, Technologie- und Innovations- (FTI) Gesamtstrategie für Österreich und erwartet, dass durch diese Strategie die notwendigen Impulse ausgelöst werden, die unser Land in seiner zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit stärken und damit auch den Wohlstand, die Beschäftigung und das Wachstum der Zukunft schaffen", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Markus Beyrer anlässlich einer Pressekonferenz, heute, Donnerstag.

Die Industrie habe daher unter Vorsitz von Mag. Monika Kircher-Kohl, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies AG, eine High-Level-Group eingerichtet, in der die forschungsintensiven Unternehmen in Österreich vertreten sind. Die beteiligten Unternehmen, die mehr als 50 Prozent der privaten F&E-Aufwendungen in Österreich tragen, haben gemeinsam die Prioritäten einer umfassenden FTI-Strategie ausgearbeitet.

"Trotz der Wirtschaftskrise, die Österreich bekanntermaßen deutlich getroffen hat, arbeiten Österreichs Leitbetriebe daran, ihren Innovationskurs zu halten. Laut einer Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) im Auftrag der IV vom Dezember 2009 wurden allein durch die 29 größten internationalen Leitbetriebe in Österreich F&E-Ausgaben in der Höhe von 2,8 Mrd. Euro im Jahr 2008 getätigt", so der IV-Generalsekretär.

Weiterführung der Forschungs- und Innovationsdynamik

"Um eine Fortsetzung der Dynamik der vergangenen Jahre im Forschungs- und Innovationsbereich zu gewährleisten braucht es ein klares Commitment. Als Vision, den Wachstumspfad fortzusetzen, sollten vier Prozent des BIP bis 2020 angestrebt werden, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf Outputfaktoren", betonte Beyrer.
Dafür sei es notwendig, eine "Front-Running-Rolle" einzunehmen, was aber bedeute, dass die Politik hoch innovative neue Prozesse, Strukturen und Instrumente entwickeln müsse, die das gesamte Innovationssystem stärken. Die Einführung einer verbesserten, modernen Governance, die Schaffung von kritischen Massen bei Programmen und eine Verbesserung im Bereich der Effektivität der eingesetzten Mittel seien in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt nach vorne, so Beyrer.

Erweiterter Innovationsbegriff - Produktionskapazitäten aufbauen

Künftiger Wohlstand und Beschäftigung können nur erhalten werden, wenn auch zukünftig Produktion in Österreich in nennenswertem Ausmaß vorhanden ist. Leitbetriebe und ihre intensive Vernetzung mit kleinen und mittleren Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle. Die FTI-Strategie sollte daher ein Bekenntnis beinhalten, Produktionskapazitäten in Österreich zu erhalten und aufzubauen. Dies erfordere einen deutlich erweiterten Innovationsbegriff und damit unter anderem, dass neben Produktinnovationen verstärkt auch Prozessinnovationen und Innovationen von Geschäftsmodellen im Fokus von Politikmaßnahmen und Förderungen stehen, betonte Beyrer.

Stärkung der direkten und indirekten Forschungsförderung

Beyrer: "Die Finanzierung ist ein Schlüsselelement der Strategie. Die Systemevaluierung zeigt, dass ein Fördermix zwischen indirekter steuerlicher, direkter bottom up und direkter top down Förderung die besten Ergebnisse erzielt." Besonders hervorzuheben sei die Bedeutung der indirekten steuerlichen Forschungsförderung, nicht zuletzt für den konzerninternen Standortwettbewerb, der in Krisenzeiten noch zunimmt. Die Hebelwirkung dieser Investitionen sei enorm, betonte der IV-Generalsekretär, der auf die neuesten Berechnungen des IWI verwies, wonach 1 Mio. Euro Förderung
- 132 zusätzliche hochqualifizierte Beschäftigte in der Industrie schaffe.
- Weiters bringe 1 Mio. Euro an Forschungsprämie 9 Mio. Euro an Wertschöpfung und
- zusätzliche 3 Mio. Euro an Steuern und Abgaben, davon 1,55 Mio. Euro an Bundessteuern.
"Die Industrie fordert daher die Erhöhung der Forschungsprämie von 8 auf 12 Prozent, um die Dynamik im F&E-Bereich zu intensivieren", sagte der IV-Generalsekretär.

Bildung als Schlüsselbereich

"Es bedarf maßgeblicher Reformen im Bildungsbereich, von der vorschulischen Erziehung, der Schule, über den tertiären Bildungssektor bis hin zur betrieblichen Aus- und Weiterbildung und der Attraktivierung von naturwissenschaftlichen und technischen Bildungsangeboten", betonte die Vorsitzende der High-Level-Group und Geschäftsführerin der Infineon Techologies AG, Mag. Monika Kircher-Kohl. Der Mensch müsse weiterhin im Mittelpunkt stehen, Kreativität und kritisches Denken gefördert und die Begeisterung der Jugend für Technik gesteigert werden. Migration und Integration sollten schwerpunktmäßig behandelt, ebenso die Organisationsstrukturen modernen Gegebenheiten angepasst werden. Ein wichtiges Instrument sei zudem die Etablierung einer professionellen Berufsorientierung.

"Die notwendigen Reformen im Schulbereich und eine outputorientierte und wettbewerbsfähige Hochschulpolitik sind besonders hervorzuheben", so Kircher-Kohl. Ebenso sei sicherzustellen, dass die Ergebnisse der FTI-Strategie und die Ergebnisse des parallel laufenden Hochschuldialogs zusammengeführt würden.

Herausforderung naturwissenschaftlicher und technischer Nachwuchs (NWT)

"Wir wissen aus einer Reihe von Unternehmensbefragungen, dass die heimische Industrie bereits vor der Krise mit einem dramatischen Mangel an Diplomingenieurinnen und -ingenieuren industrienaher Disziplinen zu kämpfen hatte. Langfristig dürfte sich an der steigenden Qualifikationsnachfrage im Bereich F&E nichts ändern", betonte Kircher-Kohl.

Die Herausforderungen der Nachwuchssicherung in NWT in Österreich seien breit gefächert. Zentral sei die Nachwuchssicherung von "innen" - durch die Ausbildung einer ausreichenden Zahl an hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen. Gleichzeitig müsse Österreich seien Attraktivität nach "außen" als Arbeitsplatz für internationale Spitzenkräfte weiter ausbauen, um im zunehmenden globalen Wettbewerb um die größten Talente bestehen zu können.

Die 5 entscheidenden Handlungsfelder der Nachwuchssicherung in NWT sind die Steigerung des Innovationsbewusstseins der Gesellschaft; die Innovierung des Bildungssystems (Kindergarten, Schule, Hochschulen); die stärkere Einbeziehung von Frauen in Naturwissenschaften und Technik; die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschungs- und Innovationsberufe und die Erhöhung der Mobilität und Forcierung des qualifizierten Zuzuges, so Kircher-Kohl abschließend.

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