WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt nur nicht die Nerven wegschmeißen - von Robert Lechner

Neue Märkte sind nicht im Handumdrehen zu erobern

Wien (OTS) - Der österreichischen Exportwirtschaft gehen offenbar die Perspektiven aus. Der Eindruck ergibt sich zumindest dann, wenn man jüngst bekannt gewordene Fakten und die ein oder andere Expertenmeinung betrachtet. Dass die Wirtschaft Deutschlands im Vorjahr um fünf Prozent schrumpfte, schlägt sich hierzulande mit einem gewaltigen Einbruch der Ausfuhren nieder. Immerhin ist das Nachbarland der bei weitem wichtigste Handelspartner. Rund 30 Prozent aller Ausfuhren gehen dorthin. 2008, bevor die Krise so richtig durchgeschlagen hat, ging es dabei um knapp 35 Milliarden Euro. Österreich hat seine Abhängigkeit von Deutschland seit dem EU-Beitritt zwar deutlich reduziert, gerade der Export hängt aber immer noch am Tropf des starken Nachbarn.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass in den einstigen Hoffnungsmärkten in Osteuropa momentan wirklich nur noch die Hoffnung auf eine Bodenbildung regiert. Dass heimische Unternehmen ihren Exportanteil in die Region Mittel- und Osteuropa zuletzt auf knapp ein Fünftel in die Höhe schraubten, hilft angesichts der ökonomischen Nachrichtenlage wenig. Polen, der einzige ernstzunehmende Ausreißer nach oben, ist ein Glücksfall, aber auch nicht mehr. Der entsprechende Ausfuhranteil liegt unter zwei Prozent.

Kein Wunder, dass sich die Stimmen häufen, die Betriebe in ganz andere Regionen schicken wollen. Immer wieder werden Brasilien, Indien und China als Märkte mit besonders guten Chancen genannt. Das mag so sein, hat allerdings mehrere Haken. Niemand braucht zu glauben, dass Regionen, die fest in der Hand von amerikanischen, deutschen und französischen Geschäftspartnern sind, massenhaft auf Produkte aus Österreich angewiesen sind. Dazu kommt, dass international ausgerichtete Konzerne mit konkurrenzfähigen Produkten ohnehin bereits vor Ort sind. Außerdem - und das bestätigt jeder Exportmanager - lässt sich ein Markt nicht von heute auf morgen aufbauen.

Die Abhängigkeit der österreichischen Exportwirtschaft von einigen wenigen Regionen ist ein Problem und die daraus resultierenden Folgen der weltweiten Krise lassen berechtigterweise die Alarmglocken schrillen und werden den Blick in neue Regionen schärfen.

Grund zur Panik besteht aber keiner. Nicht die Struktur der Exporte, sondern der globale Abschwung ist das Problem. Wenn Österreich durch weiterhin moderate Lohnabschlüsse und den versprochenen Bürokratieabbau konkurrenzfähig bleibt, steht einer Wende zum Positiven nichts im Wege.

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