Fremdwährungskredite: Studie legt strengere Regulierung statt Verbot nahe

Göltl: Risikobewussten Privatkunden dürfen Chancen der Fremdwährungsfinanzierung nicht entzogen werden

Wien (OTS/PWK015) - Anlässlich der globalen Finanzkrise im
Herbst 2008 wurde die Vergabe von Fremdwährungskrediten an Private in Österreich aufgrund einer entsprechenden Empfehlung der Finanzmarktaufsicht (FMA) extrem eingeschränkt. Weitere Verschärfungen der Vergabekriterien werden derzeit von FMA und Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz ausgearbeitet. Um mögliche Folgen für die Fremdwährungskredit-Vergabe an Private und Lösungsansätze für die Zukunft aufzuzeigen, hat der Fachverband Finanzdienstleister eine wissenschaftliche Studie an der Johannes Kepler Universität Linz bei Teodoro D. Cocca von der Abteilung für Asset Management in Auftrag gegebenen.

Kreditgeschäft: Fremdwährungskredit-Kundenanteil von 60 Prozent

Die im Rahmen der Studie durchgeführte Umfrage bei Finanzdienstleistern zeigt die wirtschaftlich strategische Rolle der Fremdwährungsfinanzierung: 60,1 Prozent der Kreditkunden Gewerblicher Vermögensberater in Österreich finanzieren über einen Fremdwährungskredit (FWK) - wobei gewerbliche Kunden mit einem Anteil von 12,7 Prozent deutlich in der Minderheit sind. Fremdwährungskredite liegen mit 82,7 Prozent an dritter Stelle im Ranking der aktiv angebotenen Finanzierungsformen (Eurokredit: 92,2 %, Bauspardarlehen: 85,2 %).

Der Fremdwährungskredit wird fast ausschließlich zur Schaffung von bleibenden Werten verwendet. Zu 96,7 Prozent werden Fremdwährungskredite für den Erwerb eines Eigenheims eingesetzt. Als stärkste Argumente für einen Fremdwährungskredit werden von 98,2 Prozent der Befragten das niedrige Zinsniveau der gewählten Währung und von 83,1 Prozent eine geringere monatliche Belastung gesehen. Für 81,3 Prozent ist ein Fremdwährungskredit eindeutig kein Ersatz für nicht leistbare Eurokredite. Einen Wegfall der Fremdwährungskredite sehen 84,4 Prozent der Finanzdienstleister als klaren Vorteil für die Banken: Sie sind überzeugt, dass die österreichischen Kreditinstitute diese Situation zur Erhöhung ihrer Zinsspanne nutzen würden.

Die derzeit gedämpfte Kreditnachfrage sehen 78,6 Prozent als Folge der FMA-Empfehlung zur beschränkten Vergabe von Fremdwährungskrediten. Generell befürchten die Finanzdienstleister dadurch einen Rückgang ihrer Fremdwährungskredit-Geschäfte im Jahr 2010 um 68,6 Prozent.

Cocca: Verbot ist ungerechtfertigt

"Eine strenge Regulierung und Kontrolle des Managements hinsichtlich des Währungs-, Zins- und Tilgungsträgerrisikos ist einem - als ungerechtfertigt einzustufenden - Verbot der Vergabe von Fremdwährungskrediten an Private eindeutig vorzuziehen", hebt Cocca in seiner Studie hervor.

Finanzdienstleister stehen angemessen strengen Vergabekriterien positiv gegenüber

Rund die Hälfte der Befragten begrüßt den Ansatz der FMA, Fremdwährungskredite als Spezialprodukt mit strengen Auflagen zu versehen. "Die Finanzdienstleister sind sich ihrer Beratungsverantwortung bei der Fremdwährungsfinanzierung bewusst und zur Erfüllung angemessen strenger Vorschriften bereit. Es entsteht allerdings der Eindruck, dass die Regulierungsmaßnahmen der FMA darauf abzielen, die Vergabe von Fremdwährungskrediten zum Erliegen zu bringen!", betont Wolfgang K. Göltl, Obmann des Fachverbands Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Österreich. "Dies könnte zur Folge haben, dass sich Konsumenten gezwungen sehen, für die Fremdwährungsfinanzierung einen Berater im Ausland in Anspruch zu nehmen. Es ist zu bezweifeln, dass dies im Sinne des Konsumentenschutzes ist", gibt Göltl zu bedenken.

Dass Finanzdienstleister sensibel mit der Fremdwährungsfinanzierung umgehen, zeigt die Tatsache, dass 85,9 Prozent bei Fremdwährungskrediten eindeutig einen höheren Beratungsbedarf als bei Euro-Krediten sehen. 95,8 Prozent sind überzeugt, dass die von ihnen betreuten Kunden aufgrund ihrer Aufklärung die produktspezifischen Risiken auch gänzlich verstanden haben.

Fachverband setzt Maßnahmen zur Verbesserung der FWK-Situation

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 13.1.2010 gab Göltl zu verstehen, dass er das "de facto-Verbot" der FMA im Sinne zukünftiger Fremdwährungskredit-Kunden weiter bekämpfen werde. Als nächste Schritte plant der Fachverband verpflichtende, berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten für die Gewerbliche Vermögensberatung zu evaluieren sowie einen Arbeitskreis ins Leben zu rufen, der die Vor-und Nachteile der Fremdwährungsfinanzierung in der Branche sachlich und objektiv diskutiert.

Göltl plädiert zudem für gesetzlich verankerte strenge Aufklärungspflichten für Fremdwährungskredite und Tilgungsträgerkredite. Gewerblichen Vermögensberatern empfiehlt er, ihre Unabhängigkeit und Kundennähe durch objektive Risikobewertung und persönlichen Einsatz zu stärken. Freiwillige Weiterbildungsmaßnahmen und eine gut dokumentierte sowie archivierte Beratung sieht er als Teil davon. "Eines ist jedoch festzuhalten:
Bereits jetzt wird durch die Befähigungsverordnung eine hohe Qualität der Beratung gewährleistet", betont Göltl.

Fremdwährungskredit in Österreich weiterhin beliebte Finanzierungsform

Der klassische Fremdwährungskredit-Kunde ist zwischen 30 und 39 Jahre alt, wohnt in urbaner Umgebung und besitzt gute finanztechnische Bildung. Die beliebteste Währung bei Fremdwährungskrediten ist mit einem Anteil von 94 Prozent der Schweizer Franken, gefolgt vom japanischen Yen mit 5 Prozent. Im Dritten Quartal 2009 machte das Volumen der privaten Fremdwährungskredite - trotz stagnierender Neuvergabe und Maßnahmen der FMA - immer noch 35,9 Milliarden Euro bzw. 29,4 Prozent aller Privatkredite aus. "Die beachtliche Höhe des bestehenden Fremdwährungskreditvolumens lässt den Schluss zu, dass die Kreditnehmer mit der Fremdwährungsfinanzierung durchaus zufrieden sind", kommentiert Göltl die aktuelle Entwicklung.

Gewerbliche Vermögensberatung: 1,6 Mio. Kunden in Österreich

Gewerbliche Vermögensberater, die im Rahmen ihrer Tätigkeit zur Vermittlung von Fremdwährungskredit berechtigt sind, arbeiten zu 92 Prozent hauptberuflich in diesem Gewerbe. Die österreichweit 5.400 Gewerblichen Vermögensberater betreuen insgesamt über 1,6 Mio. Kunden. (AC/JR)

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