Tumpel: Mit Recht auf Ausbildung Armut verhindern

Enquete zu "Armut - Schule - Bildungschancen": Vor allem Kinder von Eltern mit niedriger Qualifikation fliegen aus dem Bildungssystem

Wien (OTS) - "Gute Ausbildung unserer Kinder darf nicht von der Brieftasche der Eltern abhängen", sagt heute AK Präsident Herbert Tumpel auf der Enquete "Zukunft trotz(t) Herkunft. Armut - Schule -Bildungschancen" in Wien. Auf der Veranstaltung von AK, Armutskonferenz und bildunggrenzenlos werden unter anderem Forschungsergebnisse präsentiert, wonach jede/r neunte Jugendliche in Österreich nach der Pflichtschule nicht weiterlernen kann oder aus einer begonnenen Ausbildung fliegt - Tendenz steigend. "Alarmierend ist, dass vor allem Kinder von Eltern mit niedriger Qualifikation aus dem Bildungssystem fliegen", so Tumpel, "gegen diese Vererbung des Armutsrisikos durch schlechte Bildungschancen müssen wir etwas tun." Die AK fordert ein Maßnahmenbündel - von der Ausweitung der frühkindlichen Förderung über flächendeckende Ganztagsbetreuung und eine gemeinsame Mittelstufe bis hin zum Recht auf Ausbildung nach der Schulpflicht.

Das Risiko, aus dem Bildungssystem zu fliegen, ist für Kinder von niedrig qualifizierten Eltern fünfmal so hoch wie für Kinder von Hochqualizierten und für Kinder von Arbeitslosen dreimal so hoch wie für Kinder von Beschäftigten. Dazu kommt, dass der Anteil der 18 bis 24-Jährigen ohne weiteren Abschluss nach der Pflichtschule seit 2004 gestiegen ist - von 8,7 auf 10,9 Prozent im Jahr 2007. "Da müssen wir gegensteuern", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. "Kinder von armutsgefährdeten Eltern können durch Bildung der Armutsspirale entkommen, aber nur, wenn sie die Chance dazu haben."

Damit Armut nicht weiter durch schlechte Bildungschancen vererbt wird, fordert die Arbeiterkammer ein Maßnahmenbündel:

+ Förderung schon vor Schuleintritt: schrittweise Ausweitung der frühkindlichen Förderung bereits ab dem 3. Lebensjahr im Kindergarten.

+ Die begonnenen Bildungsreform beschleunigen: Durch flächendeckende Ganztagsbetreuung sollen Eltern nicht mehr für teure private Nachhilfe zahlen oder selbst den Kindern beim Lernen helfen müssen. Durch eine gemeinsame Mittelstufe soll die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nicht schon nach der Volksschule gefällt werden müssen. Und durch ein verpflichtendes Fach Berufsorientierung sollen Jugendliche die für sie beste weitere Ausbildung finden können.

+ Recht auf Ausbildung nach der Schulpflicht: Um das zu gewährleisten, müssen in den berufsbildenden Schulen mehr Plätze geschaffen werden. Ein Kurssystem soll das Sitzenbleiben überflüssig machen. Die Schulbeihilfe soll bereits ab der neunten Schulstufe bezahlt werden. Und damit alle im Fall der Fälle eine zweite Chance bekommen, soll das Nachholen sämtliche Abschlüsse bis zur Matura kostenlos werden.

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