"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der "Bulle von der BayernLB" hat den Fall Hypo verschlafen" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 13.01.2010

Graz (OTS) - Unsere lieben Nachbarn im Norden werden seit Tagen nicht müde, auf das böse Kärnten einzuhauen. Von Süddeutschland hat sich ein medialer Flächenbrand über die Bundesrepublik ausgebreitet, jetzt hat sich selbst Spiegel-TV mit ungewohnter Inbrunst des Themas "Hypo Alpe Adria" angenommen.

Nun kann man nicht sagen, Kärnten wäre an der Sache völlig unschuldig, es muss aber auch einmal festgehalten werden, da gab es keinen Bankriesen im Süden Österreichs, der einem bayerischen Zwergerl eins auf die Mütze gegeben hat. Ganz im Gegenteil. Der Goliath heißt Bayerische Landesbank (BayernLB), ist die Hausbank des Freistaates, Zentralbank der bayerischen Sparkassen und mit einer Konzernbilanzsumme von 421 Milliarden Euro rund zehn Mal so groß wie die Hypo samt allen Töchtern.

Die Bank wurde auch nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an die Bayern verscherbelt. Da hat kein mit allen Wassern gewaschener Autoschnalzer einen dummen Konsumenten über den Tisch gezogen, sondern die Bayern hatten durchaus Gelegenheit, die Hypo nach allen Tiefen und Untiefen abzusuchen.

Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass sich Kärnten mit Bayern einen ganz besonderen "Patienten" ausgesucht hat. Denn wie man Milliarden auf ein paar müde Euros eindampfen kann, haben die Bayern öfter gezeigt. Vor zehn Jahren kaufte die wegen ihres Expansionshungers offenkundig mit Blindheit geschlagene Großbank für 100 Millionen die "Rijecka Banka", in wenigen Monaten sackte der Wert auf null ab. Und von den Karibikgeschäften der Bawag, an der die Bayern einst 49 Prozent besaßen, hatten sie natürlich auch keine Ahnung. Schlussendlich muss man anführen, dass die Bayern zwei Jahre Zeit hatten, um bei der Hypo nach dem Rechten zu sehen. Hinweise auf das mehr als wundersame Wachstum der Bank gab es genug, in bayerischen TV-Serien wäre der "Bulle von der BayernLB" schon längst nach Kärnten ausgerückt, um für Ordnung zu sorgen.

Das war nicht der Fall, und so drängt sich der Eindruck auf, die Bayern können zwar tolle Autos bauen, mit den Banken aber haben sie es nicht so ganz. Denn die Landesbank ist kein Einzelfall. Die HypoVereinsbank etwa musste sich nach Milliardenverlusten unters Dach der UniCredit flüchten, die notverstaatlichte Münchner Hypo Real Estate sitzt auf Schrottpapieren von 200 Milliarden. Man sieht, Bayern und Banken sind ein ganz spezielles Kapitel. In das die Hypo Alpe Adria allerdings allzu gut hineinpasst.****

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