Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Genossenschaft"

Ausgabe vom 13. Jänner 2010

Wien (OTS) - Für deren Größe wird erstaunlich wenig über Raiffeisen geschrieben. Das Giebelkreuz, das nicht erst landesweit bekannt ist, seit es am Helm von Hermann Maier prangt, vereint nicht nur die größte Zahl an Firmen, sondern ist auch der mit Abstand größte Arbeitgeber des Landes. Sein mächtiger Boss, Christian Konrad, ist zwar in Polit-, Wirtschafts- und Kulturkreisen bestens bekannt, sonst aber eher wenig.

2010 könnte Raiffeisen einen weiteren Zuwachs bescheren, der nicht von schlechten Eltern ist. Im Bankenbereich wird erwartet, dass sich die Volksbanken an einen Partner anlehnen. Die Volksbanken sind Genossenschaften wie Raiffeisen. In Deutschland sind Volksbanken und Raiffeisen längst unter einem Dach. Gut möglich, dass sich der "grüne Riese" auch hier bei den Volksbankern durchsetzt.

Und die Beteiligung Raiffeisens an der Nationalbank macht es für die Gruppe nun bedeutend leichter, sich um die Mehrheit bei der Casinos Austria zu bemühen. Zucker, Mehl, Kaffee- und Geldautomaten, Medien, Tankstellen, Milch, Gummistiefel: Überall Raiffeisen, oftmals sogar als Marktführer. Das Giebelkreuz ist Großinvestor in Osteuropa und unterhält blendende Kontakte in die Politik.

Normalerweise geht eine solche Ansammlung von Macht und Einfluss mit großen Anfeindungen einher. Bei Raiffeisen ist das nicht der Fall. Möglich, dass sich manche nicht trauen - bei solcher Machtfülle sogar verständlich. In der Öffentlichkeit aber ist Raiffeisen recht gut angeschrieben, die Banken erzielen hohe Vertrauenswerte, als Arbeitgeber ist das Giebelkreuz unbestritten beliebt.

Das liegt zu einem Gutteil wohl daran, dass es sich dabei (wenigstens in der Ur-Form) um Genossenschaften handelt. Tausende Funktionäre sorgen dafür, dass sich die darunter befindlichen Firmen zwar nicht wirklich wehtun, aber auch nicht mögen. Und alle sind in den Orten am Land verwurzelt, kaum ein Sportverein oder eine Feuerwehr, die ohne Unterstützung der Raiffeisenbank auskämen. Die Genossenschafts-Struktur befreit auch von vielerlei kartellrechtlichen Problemen.

Fazit der Geschichte: Allen Firmen- und Bankgründern sei empfohlen:
Gründet eine Genossenschaft statt einer GesmbH . . .

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