Asyl: Caritas und Diakonie für Betreuungsstellen in den Bundesländern

Vorschlag zur Trennung von Erstaufnahme und behördlicher Prüfung - Caritas-Präsident Küberl und UN-Flüchtlingshochkommissariat mit scharfer Kritik an Form der politischen Debatte

Wien, 12.01.2010 (KAP) In der Debatte um die Errichtung eines dritten Asyl-Erstaufnahmezentrums melden sich Caritas und Diakonie nun mit dem Vorschlag eines völlig neuen und ausdifferenzierten Aufnahmesystems für Asylwerber in Österreich zu Wort. Der Vorschlag sieht Asyl-Betreuungsstellen in allen neun Bundesländern und die Trennung der "Erstaufnahme" von der "behördlichen Prüfung" vor. Insgesamt zielt der Vorschlag auf eine Entlastung der beiden derzeit bestehenden Erstaufnahmezentren in Traiskirchen und Thalham "bei einer gleichzeitigen Kosteneinsparung und Steigerung der Effizienz und Gerechtigkeit", erklärte Diakoniedirektor Michael Chalupka am Dienstag in einer Aussendung.

Unterstützung kommt vom Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau:
"Der konstruktive Vorschlag der Diakonie zur Versachlichung der Debatte muss jetzt von den Regierungsverantwortlichen Fekter und Darabos rasch aufgegriffen und umgesetzt werden".

Konkret plädieren Diakonie und Caritas dafür, die Bereiche "Erstaufnahme" und "behördliche Prüfung" zeitlich und räumlich voneinander zu trennen. Nach einer Erstbefragung - sie soll inklusive medizinischer und psychischer Untersuchungen sowie der Feststellung des Betreuungsbedarfes nur einige Tage dauern - sollten die Asylwerber in eine Betreuungsstelle des Bundes verlegt werden, von der es nach den Plänen in jedem Bundesland eine geben könnte.

In diesen neun Bundesbetreuungsstellen mit einer Maximalgröße von 100 bis 150 Bewohnern könnten die Asylwerber dann das Zulassungsverfahren abwarten. Auch Familien, Schwangere oder Menschen mit Behinderung, könnten dort optimal betreut werden. Nach einem positiven Abschluss des Zulassungsverfahrens könnte der Bescheid zugestellt und der Asylwerber für die Grundversorgung während des Asylverfahrens in ein Quartier im selben Bundesland überstellt werden.

Das Modell brächte mehrere Vorteile: So würde es etwa die kostenintensive Behördenstruktur in den Betreuungsquartieren des Bundes abschlanken, außerdem könnten die Quoten der einzelnen Bundesländer zur Aufnahme vom Asylwerbern besser gesteuert werden, da sich Asylsuchende bereits im Bundesland befänden und von dort, nach Zulassung ihres Asylverfahrens, in die Landesquartiere überstellt würden. Der Aufenthalt von Asylwerbern im Erstaufnahmezentrum würde auf wenige Tage verkürzt, was eine deutliche Entlastung von Traiskirchen und Thalham mit sich brächte.

Insgesamt bedürfe es laut Caritasdirektor Landau einer "Qualitätsoffensive beim Asylthema". In diesem Zusammenhang erneuerte Landau die Caritas-Forderung nach einem eigenen Staatssekretariat für Asyl und Integration. Eine andere Möglichkeit wäre hier die Benennung eines eigenen Regierungsbeauftragten, so Landau in einer Presseaussendung am Dienstag.

Notwendig sei weiters eine Beschleunigung der Verfahren. Nur mit raschen Erstgesprächen, einer entsprechenden psychologischen, medizinischen, rechtlichen und sozialarbeiterischen Betreuung können Asylwerber angemessen versorgt werden und etwaige Ängste in der Bevölkerung abgebaut werden. "Alle Bundesländer müssen die vereinbarten Asylunterbringungsquoten umgehend erfüllen. Traiskirchen muss endlich entlastet werden", so Landau.

(forts. mgl.)
nnnn

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/510

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001