WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wirtschaft muss die Notbremse ziehen - Robert Lechner

Politik der Ressentiments kommt Österreich teuer

Wien (OTS) - Es reicht. Jener Satz, mit dem einst ein Obmann der Volkspartei die Große Koalition aufkündigte, wäre jetzt in puncto Ausländerpolitik angebracht. Weil die Sozialdemokratie längst zu schwach ist, um in dieser Sache Courage zu zeigen, und sonst vor allem Hassprediger umherziehen, bleibt die Wirtschaft als letzte Hoffnung, um dem jüngsten Treiben Einhalt zu gebieten.

Den meisten Managern und Unternehmenseigentümern ist längst klar, dass Dinge wie ein Arrest für Asylsuchende und immer dreistere Hürden für den Zuzug von Ausländern immense Imageprobleme und letztlich wirtschaftlichen Schaden verursachen.

Was ein liberaler Umgang mit dem Thema Ausländer bringt, zeigt ein Blick in die USA, den kürzlich das renommierte Magazin "Economist" machte. So wurde ein Viertel aller Technologieunternehmen zwischen 1995 und 2005 von Amerikanern mit sogenanntem Migrationshintergrund gegründet. Ebenso stammt ein Viertel aller in den USA angemeldeten Patente von Zuwanderern.

Fazit: Wer im globalen Wettbewerb um die besten Talente am stärksten punktet, kann daraus - volkswirtschaftlich betrachtet -Milliardengewinne lukrieren. Ein Aspekt, der gerade in den kommenden Jahren besonders bedeutend sein wird. Wirtschaftswachstum wird nicht mehr so wie früher über Investitionen im Ausland zu sichern sein. Es kommt darauf an, die Ökonomie möglichst effizient aufzustellen. Und das ist nur zu schaffen, wenn in einem Land möglichst innovative Menschen werken. Österreich ist dabei, mit seiner provinziellen Diskussion um Eberau oder die Asylanten-Haft den Wettbewerb um Talente zu verlieren.

Und das, obwohl ein Blick in die jüngere Geschichte eine gänzlich andere politische Linie nahelegen würde. Menschen aus Zuwandererfamilien wie Attila Dogudan gelten längst weltweit als österreichisches Aushängeschild. Von Istanbul bis New York ist Do&Co eine bestens eingeführte Marke. Auch im Inland sichern Ausländer längst zehntausende Jobs. Allein in Wien entfällt ein Drittel aller Unternehmensgründungen auf Migranten: Firmen wie der Computerspezialist DiTech beschäftigen mehr als 200 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Das ebenfalls von einem Einwanderersohn gegründete Abbruch-Unternehmen Prajo & Co ist mittlerweile auf den meisten Baustellen in Ostösterreich zu finden. Und selbst jene Leute, die den politischen Angstmachern auf den Leim gehen, könnten ins Grübeln kommen. Nämlich dann, wenn sie an einem Feiertag bei einem Migranten, der hier sein Geschäft aufgemacht hat, Milch nachkaufen können.

Die österreichische Wirtschaft würde ohne die ausländische Komponente nicht mehr funktionieren. Scharfmacher sollten das berücksichtigen, Manager und Unternehmenslenker öfter darauf hinweisen.

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