"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Tirol braucht keine Reserve-Sheriffs" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 10. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Bergwächter, die mit Pistole und Handschellen ausgerüstet durch Wälder und Auen streifen - das ist kein Faschingsscherz, auch wenn es den Anschein hat. Seit vielen Jahren versuchen gewisse Kreise innerhalb der Bergwachtorganisation in regelmäßigen Abständen, eine Verschärfung der gesetzlich verankerten Befugnisse herbeizuführen. Im Hintergrund schwingt dabei immer der Wunsch nach Polizeigewalt und eben auch nach Bewaffnung mit.

Bislang sind die Naturschützer mit dem Tiroler Adler im Emblem mit ihren Ansinnen immer abgeblitzt. Zurecht. Tirol braucht keine Wald-und Wiesen-Sheriffs, die bewaffnet italienischen Schwammerlsuchern nachstellen!

Nach Vorfällen wie den tödlichen Schüssen auf einen jungen Einbrecher in Krems oder dem Todesschuss eines Wiener Trafikanten auf einen Räuber bricht in schöner Regelmäßigkeit eine hitzige Diskussion zum Thema Waffengebrauch aus. Darüber, ob es zulässig ist, eigenes oder - wie in Krems - fremdes Hab und Gut mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Diese Diskussion ist legitim, es gibt Argumente dafür und dagegen. Aber was für den Schutz von Eigentum zumindest diskussionswürdig ist, kann nicht im Maßstab 1:1 auf den Bereich des Naturschutzes umgelegt werden.

Tatsächlich ist die Gefahr, dass künftig in Tirol auf Umweltfrevler geschossen wird, nicht allzu groß. Dagegen spricht in erster Linie die Ausbildung. Ganz anders als die Polizisten etwa, die in jahrelanger Ausbildung im Umgang mit der Waffe geschult werden, sind die Mitglieder der Bergwacht Privatpersonen, die sich aus Liebe zur Natur in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. Engagierte Laien, denen per Verordnung die Überwachung gewisser Gesetze aufgetragen wurde. Und dazu bedarf es weder Schusswaffen noch Handschellen.

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