ÖSTERREICH: Adamovich bietet Rücktritt an: "Habe jetzt genug"

Kampusch-Evaluierungsleiter kontert aber: "Das war kein Gefasel"

Wien (OTS) - Der Leiter der Evaluierungskommission im Innenministerium, Ludwig Adamovich, rechnet im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH (Sonntag-Ausgabe) ab: "Es ist nicht richtig, dass ich gesagt hätte, dass es in jedem Fall Mittäter im Fall Kampusch gab. Es hat allerdings einen Zeitraum gegeben, in dem es für mich gute Gründe gab, die eben deutlich gegen eine Eintätertheorie gesprochen haben."

Adamovich präzisiert im ÖSTERREICH-Interview diese "guten Gründe":
"Erstens hat die einzige Tatzeugin jahrelang steif und fest behauptet, dass es zwei Täter gegeben hätte. Erst in den letzten Wochen hat sie hier ihre Meinung geändert. Das hätte man schon früher haben können. Zweitens hat sich Ernst H., auch wenn er kein Mittäter war, doch ein bisschen seltsam benommen. Das alles hat für mich den Eindruck ausgelöst, dass da und dort weitere Ermittlungen notwendig sind. Es soll keiner kommen und sagen, dass sei Gefasel gewesen."

Der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichtshofs will nun Konsequenzen ziehen. "Ich war ja nicht der Einzige, der so argumentiert hat, aber als Galionsfigur gerät man natürlich stärker ins Scheinwerferlicht als andere. Aber auch wenn ich die wildesten Angriffe bereits gewöhnt bin, sehe ich nicht mehr ein, warum ich mich weiter anfeinden lassen soll. Ich werde daraus meine Konsequenzen ziehen. Ich werde die Sache in Kürze zu einem Abschluss bringen", sagt Adamovich.

Adamomich kündigt für Montag an, seinen Rücktritt anzubieten, sagt wörtlich: "Alles ist möglich, aber ich mache nichts, ohne es mit meinen Kollegen vorher besprochen zu haben. Man dürfte es mir allerdings nicht verübeln, wenn ich sage, dass ich nun genug habe. Rückblickend war es für mich ein Fehler, dass ich überhaupt dazu bereit war, der Kommission anzugehören. Für mich war das alles andere als eine Erfolgsstory." Ende Jänner soll der Endbericht der Evaluierungskommission fertig sein.

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