"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wenn Schluss ist, ist Schluss" (Von CARMEN BAUMGARTNER)

Ausgabe vom 9. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Der Fall Kampusch ist ein Traum für Verschwörungstheoretiker, die wohl nie Ruhe geben werden.

Im August 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht vor ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Dreieinhalb Jahre später ist der jungen Frau nichts mehr als endlich Ruhe und Frieden zu wünschen. Hoffentlich diesmal mit Erfolg. Natürlich wird es immer Menschen geben, denen die endgültigen Ermittlungsergebnisse nicht genug sind und die nichts Besseres zu tun haben, als über die Details zu dem aufsehenerregenden Fall zu spekulieren. Dieser bietet ja auch traumhaften Stoff für Verschwörungstheoretiker: Der Täter ist tot, hat frecherweise keinen erklärenden Abschiedsbrief geschrieben und das Entführungsopfer selbst sagt nur das, was es will, anstatt jedes Detail ihres acht Jahre dauernden Martyriums jeder Neugiernase auf dem Silbertablett zu servieren. Wenn sie sich doch einmal äußert, wird alles in Zweifel gezogen.

Nur zur Erinnerung: Natascha Kampusch ist Opfer eines schrecklichen Verbrechens geworden, in das sich der Durchschnittsbürger wenn, dann höchstens beim Konsum eines Thrillers halbwegs hineinversetzen kann. Ein annähernd normales Leben führen zu können, ohne ständig Spekulationen ausgesetzt zu sein, ist wohl das Mindeste, was man der jungen Frau zugestehen muss.

Die neuen Ermittlungen sind abgeschlossen, der Appell von Kriminalisten und Oberstaatsanwaltschaft, die Ergebnisse zu akzeptieren, völlig legitim und verständlich, gerade im Sinne des Opfers. Es war aber auch legitim von Ludwig Adamovich, bei offenen Fragen unermüdlich nachzubohren. Wer weiß, ob die letzten offenen Fragen sonst geklärt worden wären. Jetzt aber soll Ruhe sein.

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