NÖ Hilfswerk: Demenz - bitte nicht vergessen!

Auch Angehörige brauchen professionelle Unterstützung, sagt eine neue Studie. NÖ Hilfswerk-Präsident Strasser: "Wir bieten konkrete Hilfe und setzen auf Methoden zur Früherkennung."

St. Pölten (OTS) - In Niederösterreich leiden heute etwa 20.000 Menschen an Demenz. Die Zahlen steigen dramatisch weiter an. Im Jahr 2050 werden es mehr als doppelt so viele sein. 80 Prozent der Erkrankten werden von Familienangehörigen betreut. Diese werden dabei aber oft allein gelassen, sind stark überfordert und haben kaum Zeit für sich selbst. "Die Menschen brauchen daher dringend unsere Unterstützung: zeitgemäße Versorgungsstrukturen, eine gesicherte Finanzierung, raschere Diagnosen und mehr Beratung", betont NÖ Hilfswerk-Präsident Dr. Ernst Strasser anlässlich einer heutigen Pressekonferenz. Und Strasser weiter: "Wir müssen auch offener über Demenz sprechen und die dramatischen Folgen der Krankheit stärker bewusst machen. Genau das tun wir mit unserer Bildungs- und Informationsoffensive: Demenz. Vergessen. Nicht vergessen sein".

Demenzexperte Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata, der heute erste Ergebnisse einer Studie über die Belastungen der Angehörigen von Demenzkranken vorstellt, ergänzt: "Eine intensive ambulante Betreuung der Erkrankten ist daher so wichtig, damit sie so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Unterstützung bei der Pflege und Betreuung zu Hause, wie sie vom NÖ Hilfswerk angeboten wird, ist für die Betroffenen und deren Angehörigen eine sehr großer Hilfe".

Die Auswirkungen für an Demenz Erkrankte sind oft so dramatisch, dass sie den Alltag nicht mehr selbst bewältigen können. So ist es beispielsweise für 94 Prozent der an mittlerer Demenz Erkrankten nicht möglich den eigenen Einkauf zu erledigen. Selbst ein einfaches Telefongespräch können 21 Prozent der Menschen mit leichter Demenz nicht mehr führen. Doch leider wird Demenz immer noch stark unterschätzt. Experten glauben, dass nur 20 Prozent der Erkrankungen richtig und rechtzeitig diagnostiziert werden. "Doch wenn die Krankheit früh erkannt und rechtzeitig behandelt wird, kann die Lebensqualität der Betroffenen und deren Angehörigen entscheidend verbessert werden", so Strasser.

Hilfswerk-Initiative: Weiterbildung und Entwicklung eines neuen Erhebungsbogens zur Früherkennung
Um aber richtig und schnell helfen zu können, braucht es vor allem aktuelles Wissen über die Krankheit. Dafür wurden im vorigen Jahr alle 2.000 MitarbeiterInnen in Bereich Pflege und Betreuung geschult. Die intensive Weiterbildung über Krankheitsbilder, Behandlungsmöglichkeiten und Gedächtnistrainings ist die einzige dieser Art in NÖ und wird von Fachleuten immer besonders gelobt. In Zukunft finden jährlich Fortbildungstage und Veranstaltungen zum Thema Demenz statt. Am 22. Jänner 2010 veranstaltet das NÖ Hilfswerk an der FH St. Pölten die Fachtagung "Gepflegt altern". Um die Früherkennung zu verbessern arbeitet das Hilfswerk mit einem neuen Erhebungsbogen und kooperiert eng mit Haus- und Fachärzten, die bei Bedarf auch zu den PatientInnen nach Hause kommen. Diese Maßnahmen erleichtern die Diagnose und unterstützen die Therapie in den eigenen vier Wänden.

Angehörige von Demenzkranken haben Sorgen und Probleme
In Kooperation mit dem NÖ Hilfswerk untersucht Demenzexperte Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata die Probleme und Sorgen der Angehörigen von Demenzkranken. Um ihre Befindlichkeiten besser erfassen und auch für die Studie dokumentieren zu können, hat er eine kurze Checkliste entwickelt. Nun liegen die ersten Ergebnisse der Studie vor. "Rund um die Uhr für einen Menschen da zu sein führt bei 29 Prozent der Befragten zur Isolation und bei 55 Prozent sogar bis zum Burn-Out. Auch die große Unsicherheit ob sie mit einem geliebten Menschen richtig umgehen verunsichert viele", betont Prof. Wancata bei der heutigen Pressekonferenz. Weitere Ergebnisse der Studie: Rund ein Fünftel glaubt nicht länger für den betroffenen Menschen sorgen zu können. Und besonders alarmierend ist: Bei jedem sechsten Angehörigen hat sich der eigene Gesundheitszustand auf Grund der hohen Belastungen verschlechtert.

Das NÖ Hilfswerk ist mit über 4.500 MitarbeiterInnen und 23.000 KundInnen der größte soziale Dienstleister in NÖ und unterstützt fast 8.000 alte und kranke Menschen in der Hauskrankenpflege und Heimhilfe. Darüber hinaus bietet es Kinderbetreuung, Lernhilfe, Familienberatung, ehrenamtliche Besuchsdienste und vieles mehr an. Informationsmaterial zum Thema Demenz und allgemein zum Thema Pflege und Betreuung erhalten sie unter der Tel.Nr. 02742/90 600 und auf der Webseite www.noe.hilfswerk.at

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