WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wenn China an einem Rädchen dreht - von Michaela Lexa

...dann setzt sich das Rad der ganzen Welt in Bewegung

Wien (OTS) - Dass sich am chinesischen Immobilien-Markt eine Blase bildet, ist fast schon ein alter Hut. Doch anders als die Amerikaner, die zugesehen haben, bis die Blase platzte, versucht die chinesische Regierung, das zu vermeiden - indem sie etwa Appartements zu günstigen Mietkonditionen bzw. Eigentumswohnungen mit tiefen Verkaufskosten bauen lässt. Zudem gibt es Anstrengungen, das enorme Kreditwachstum einzudämmen. So emittierte die chinesische Zentralbank gestern - für viele Marktteilnehmer überraschend - dreimonatige Staatsanleihen mit einer Rendite von 1,3684 Prozent. Das sind um 4,04 Basispunkte mehr als zuletzt, was der ersten Verteuerung seit 19 Wochen entsprach. Folge an den Aktienmärkten: Sorgen, dass die Chinesen in Bälde die Leitzinsen erhöhen, der lockeren Geldpolitik Schritt für Schritt ein Ende setzen und damit das Wachstum der Volksrepublik eindämmen. Damit würde aber auch die Nachfrage nach Metallen wie Kupfer oder nach Soft Commodities wie Sojabohnen sinken, was wiederum die Preise belasten würde. Ergo: Die Börsen litten an der chinesischen Grippe.

Dass damit aber das Platzen der Blase verhindert wird, darf bezweifelt werden. Denn steigende Leitzinsen, das derzeitige Niveau von 5,31 Prozent soll sich laut Bloomberg-Konsens bis Ende des Jahres auf 5,85 Prozent erhöhen, drücken zwar die Kreditlust der chinesischen Konsumenten, rufen aber noch stärker als bisher Carry Trader auf den Plan. Denn Experten erwarten, dass die Volksrepublik bereits im zweiten Quartal an der Zinsschraube dreht. Bis die Fed oder die EZB dann eventuell im zweiten Halbjahr beginnen nachzuziehen, ist also für die Carry Trader noch genügend Spielraum. Doch das Spekulationsgeld aus dem Ausland schürt die Blasenbildung -was also auf der einen Seite hilft, schadet auf der anderen.

Fazit aus der China-Story: Anleger müssen sich bewusst sein, dass künftig das Auge stärker auf den Märkten in Shanghai und Shenzhen als auf der Wall Street liegen sollte. Was dort passiert, beeinflusst die weltweiten Börsen in Zukunft wohl zunehmend mehr. Denn ein Land, das heuer zweistellig wachsen soll, hat wohl ein gewichtigeres Wort bei allem mitzureden als eines, das laut IWF nur ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent ausweisen soll. Wer das ist? Na, die Supermacht USA.

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