"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Pfusch-Boom in Krisenzeiten" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 8. Jänner 2010

Innsbruck (OTS) - Mit der Arbeitslosigkeit nimmt fast automatisch auch der Pfusch zu. Um die Schwarzarbeit zu bremsen, wäre der Staat gefordert.
Auch in Hochkonjunktur-Zeiten, aber ganz speziell während einer Wirtschaftskrise: Der Pfusch ist und bleibt nicht nur in Österreich die Boombranche schlechthin. Die Schwarzarbeit hat im längerfristigen Vergleich doppelt bis dreimal so hohe Wachstumsraten wie die legale Wirtschaft. In den letzten 20 Jahren haben sich die Pfusch-Umsätze verzehnfacht.

Die Schätzungen reichen von 500.000 bis 700.000 Österreichern, die sich zumindest hie und da "schwarz" ihren Verdienst aufbessern. Die Zahl ihrer Auftraggeber, die es lieber ohne Rechnung wollen, liegt noch deutlich höher.

Bisher haben weder Appelle noch schärfere Kontrollen dem Pfusch wirklich etwas anhaben können. Und das liegt auch im System. Ein Beispiel: Wenn ein Pfuscher 20 Euro pro Stunde kostet, eine Firma aber 60 bis 70 Euro für die Handwerkerstunde verrechnet (und dem Handwerker selbst netto meist nicht einmal die Hälfte des Pfusch-Lohnes bleibt) ist der Pfusch-Anreiz für beide Seiten zu groß. Wie Umfragen zeigen, wird der Pfusch bei der Mehrheit der Bevölkerung als Kavaliersdelikt und als Notwehr gegen den als unverschämt angesehenen Zugriff des Staates gesehen. Und viele könnten sich -gerade in Zeiten von Krise und kräftig steigenden Arbeitslosenzahlen - die regulären Preise auch gar nicht leisten. Und so lange werden auch Strafen wenig nützen. Um Schwarzarbeit einzubremsen, kommt der Staat um Entlastungen des Faktors Arbeit nicht herum. Auch wenn dafür in der gähnend leeren Staatskasse derzeit kein Spielraum besteht.

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