"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das gescheiterte Comeback Sanaders ist gut für Kroatien" (Von Alexander Orssich)

Ausgabe vom 06.01.2010

Graz (OTS) - Hat Ivo Sanader mit dem überraschenden Versuch seiner Rückkehr in die Politik - so kurz vor der zweiten Runde der Präsidentenwahlen - die Nerven verloren? Vieles deutet darauf hin nach seiner Pressekonferenz und dem Machtkampf hinter den Kulissen zwischen ihm und der Regierungschefin Jadranka Kosor, bei dem Sanader angeblich nicht nur seine Rückkehr erzwingen, sondern mit Hilfe einiger weniger Gefolgsleute auch die Führung in der Partei übernehmen wollte.

Der Ex-Premier war in letzter Zeit stark unter Beschuss geraten. Insbesondere die Medien hatten ihn mit der Beschuldigung konfrontiert, er habe der BayernLB für den Kauf der kroatischen Hypo-Bank Tür und Tor geöffnet. Einerseits der Vorwurf, er habe für seine politische Hilfe von den Banken fette Provisionen kassiert, andererseits sind da die Affären und Verhaftungen, die derzeit das kroatische Bankenmilieu erschüttern. Beides scheint seine Nerven strapaziert zu haben. Dass er sich für seinen Comeback-Versuch für die groteske Putschvariante entscheiden würde, damit rechnete in Zagreb niemand.

Bei der Konfrontation mit der Regierungschefin ist der sonst starke Sanader nicht nur mit einem blauen Auge davongekommen. Er ist der eindeutige Verlierer. Er kann zwar sein Mandat im Parlament behalten, aber er ist aus der HDZ ausgeschlossen worden. Ohne die stärkste Partei im Rücken und ohne Gefolgschaft ist er politisch tot.

Sanader war für viele ein Rätsel. Nach außen ein sprachgewandter Kosmopolit, war er in Wirklichkeit ein eitler Politiker mit despotischen Neigungen. Und Despoten sind nicht selten irrational.

Die düstere Geschichte hat jedoch eine erfreuliche Wendung genommen. Jadranka Kosor steht nach einem Tag und einer Nacht voller Stress und politischem Hickhack wesentlich stärker da als je zuvor. Hätte Sanaders Staatsstreichversuch Erfolg gehabt, wäre die kroatische Regierung ins Wanken gekommen. Die Koalitionspartner der von der HDZ geführten Regierung wollten Sanaders Rückkehr in die Politik partout nicht haben.

Auch die EU-Beitrittsverhandlungen wären wohl wieder einmal zum Stillstand gekommen. Jetzt hat der slowenische Kollege Borut Pahor Jadranka Kosor sofort gratuliert und sie zum Besuch nach Laibach eingeladen. Auch daheim in Kroatien wird sie beglückwünscht. Sie sitzt jetzt fest im Sattel und kann gelassen auf die regulären Parlamentswahlen warten. Und nicht nur das. Laut Umfragen könnte sie diese Wahlen sogar gewinnen.****

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