WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Über den Tisch gezogen - von Robert Lechner

Den Steuerzahlern droht ein riesiges Verlustgeschäft

Wien (OTS) - Als die dümmste Bank Deutschlands ging die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau in die Geschichte ein, weil sie einen Tag nach der Pleite von Lehman Brothers 300 Millionen Euro in Richtung USA überwiesen hatte. Die deutschen Landesbanken wiederum haben sich erst dann besonders fleißig in Subprime-Papieren engagiert, als die Blase längst zu platzen drohte. Unabhängig von der Finanzkrise hat es schließlich die Bayerische Landesbank geschafft, fast vier Milliarden Euro in Österreich zu versenken. Dass so etwas in einem Land gelingt, das als einer der solidesten Wirtschaftsstandorte gilt und noch dazu über ein Triple-A-Rating verfügt, ist bemerkenswert. Kein Wunder, wenn einige Industrielle in Österreich und Deutschland die Dummheit der Bayern ausgenutzt haben, um kräftig abzucashen. Es passt jedenfalls ins Bild. Öffentliche Bank-Eigentümer lassen sich offenbar besonders leicht über den Tisch ziehen. Fakt ist jedenfalls, dass staatliche Eigentümerschaft an Banken in den meisten Fällen zum Problem wird.

Österreich muss gerade unter diesem Aspekt auf der Hut sein, vor allem, was die Hypo betrifft. Während in Sachen Kommunalkredit das Risiko für den Staat mittlerweile als abschätzbar gilt, wird bei der Kärntner Skandalbank noch einiges nachkommen. Bereits vor rund einem Jahr entdeckten angesehene Managementconsulter haarsträubende Risiken in den Hypo-Bilanzen, die noch dazu völlig unprofessionell gemanagt wurden. Das ist alles nicht beherrschbar, sagen heute jene Berater, die sich mittlerweile von dem Projekt verabschiedet haben und nun zumindest hinter vorgehaltener Hand etwas lockerer darüber plaudern können. Damit gilt: Je schneller die Republik zumindest Teile der Hypo Alpe Adria loswird, umso besser. Wenn es die angeblich 20 interessierten Investmentgesellschaften wirklich gibt, sollte man ihnen die Hypo beziehungsweise die für sie interessanten Teile notfalls geschenkt überlassen. Das alles steht natürlich in krassem Gegensatz zur Linie der staatlichen Auffanggesellschaft für Pleitebanken, Fimbag. Bei allem Respekt vor den dort Tätigen, sich mit der Hypo auch nur einen Tag länger zu befassen als nötig, wird ein riesiges Verlustgeschäft für die heimischen Steuerzahler. Bei einem Notverkauf wäre der Verlust zumindest auf die beiden Kapitalspritzen von 900 Millionen Euro im Vorjahr und den kürzlich ausgemachten weiteren 450 Millionen Euro begrenzt. Die 1,35 Milliarden verschenktes Steuergeld schmerzen natürlich, stehen aber in keinem Verhältnis zu dem, was uns die Hypo Alpe Adria noch kosten könnte.

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