"Kleine Zeitung" Kommentar: "Knappheit und Lastenausgleich prägen das nächste Jahrzehnt" (Von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 31.12.2009

Graz (OTS) - Die "Nullerjahre" sind also vorbei. An ihrem Anfang stand ein brutaler Terroranschlag, am Ende eine Wirtschaftskrise und eine gescheiterte Klimakonferenz. Das sind Wegmarken mit hohem Symbolgehalt. Denn wenn wir auf die nächsten zehn Jahre blicken, dann müssen wir uns zunächst eingestehen, dass wir in der abgelaufenen Dekade die großen Probleme nicht gelöst haben. Gemessen am erzielten Fortschritt waren es tatsächlich Nullerjahre.

Hunger, Krieg, Unrecht und die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen begleiten uns weiterhin. Dazu kommen ein taumelndes Wirtschaftssystem und die schwere innere Krise der Demokratie. Den Befund, dass wir uns durch Überfluss-Konsum an der Zukunft versündigen, hätte man mit derselben Klarheit schon vor zehn Jahren stellen können. Wir aber haben lieber weggeschaut und viel Zeit vergeudet.

Deshalb liegt die Vorhersage für das nächste Jahrzehnt auf der Hand:
Es werden uns dieselben Probleme begleiten wie bisher, nur viel drängender. Den Lauf der Welt, die so eng zusammengerückt ist, kann man als Verteilungskampf beschreiben: Arm gegen Reich, alte gegen neue Wirtschaftsmächte, Flüchtlinge gegen Besitzstandwahrer.

Die begrenzten Rohstoffe der Erde erlauben nicht Wohlstand im westlichen Ausmaß für alle. Diese bittere Wahrheit steht sperrig im Raum. Der Klimaschutz ist das Paradigma der Geopolitik: Er zeigt, wie sehr uns alle das Thema Knappheit betrifft und wie schwer sich nationale und persönliche Egoismen überwinden lassen.

Gerechtigkeit und Verzicht sind auch innenpolitisch die Leitthemen für das kommende Jahrzehnt. Nicht Wohltaten, sondern Lasten sind zu verteilen. Die Politik kann in so einer Lage nicht Wunder wirken. Man muss von ihr aber deutlich mehr Mut fordern als bisher.

Volksvertreter, die nur auf Lobbys hören oder allen gerne alles versprechen, werden einfach nicht mehr gebraucht. Stattdessen sollten wir an Wahltagen stets nach ehrlichen Staatsmaklern fahnden, die kantige Wahrheiten aussprechen. Und denen wir die Kraft zutrauen, unbequeme Lösungen durchzusetzen.

Wir müssen aber nicht auf die Politik warten. Zu lange haben wir Bürger uns bequem zurückgelehnt, anstatt unseren Lebensstil, unser Verkehrs- und Konsumverhalten zu ändern. Das wäre der eigentliche Auftrag für das kommende Jahrzehnt. Denn die Zukunft entscheidet sich nicht nur in Brüssel, Wien und Washington, sondern vor allem am Lenkrad, im Supermarkt und am Heizkörper.****

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/442

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001